Ein Lastwagen aus der Ukraine wird in der rumänischen Hafenstadt Konstanza entladen, um den Weizen von dort aus zu verschiffen. AFP/Daniel Michailescu

Ausgerechnet! Die durch ein sehr eigentümliches Video bekannt  gewordene Sprecherin des russischen Außenministerium hat der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) „Dummheit“ vorgeworfen. Wahlweise „bewusste Irreführung der Öffentlichkeit“. Dabei ist Maria Sacharowa selbst nicht immer Herrin ihrer Worte. Im April ging ein Auftritt durch die sozialen Medien,  bei dem sie offenbar angetrunken die Ukrainer zu Nazis erklärte, weil die den Russen das Rezept für die Suppe Borschtsch wegnehmen wollten.

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Ihre Beschimpfung Baerbocks hat auch mit Essen zu tun, aber in sehr ernstem Zusammenhang. Baerbock hatte Russland wegen seines Angriffskriegs für die weltweite Verteuerung und Verknappung speziell von Weizen verantwortlich gemacht. Es gibt die Befürchtung, dass insbesondere der Ausfall ukrainischer Lieferungen zu Hungersnöten führen wird.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock in Berlin im Gespräch mit ihrem US-Kollegen Antony Blinken (r.) und Mircea Geoana, Vize-Generalsekretär der Nato. AFP/John MacDougall

Russland raubt und vernichtet Weizen in der  Ukraine

Sacharowa machte dagegen die westlichen Sanktionen  verantwortlich, verschwieg dabei, dass Russland beim Raub von Weizen erwischt wurde, seine Truppen gefüllte Getreidesilos zerstören und die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen blockieren. Die Ukraine versucht deshalb, möglichst viel Weizen über Land ins rumänische Konstanza zu bringen, um ihn dort zu verschiffen.

Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums. bei ihrem irren Borschtsch-Auftritt. Twitter

Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, sagte dem RND „Länder wie Ägypten, Kenia, der Südsudan, der Libanon und viele andere Staaten waren bislang direkt oder indirekt stark von russischen und ukrainischen Exporten abhängig. Diese Länder erhalten jetzt nicht die bestellten Mengen oder müssen dafür sehr viel mehr bezahlen.“ Leidtragende seien besonders arme Menschen, die einen hohen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten.

Wirtschaftsmächte wollen so viel wie möglich ukrainischen Weizen retten

Die G7, Gruppe der demokratischen Wirtschaftsmächte, will deshalb versuchen, Getreide aus der Ukraine herauszuholen. Das vereinbarten die G7-Agrarminister. Ende Juni wollen die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens, Japans, Italiens und Deutschlands bei einem Gipfel auf Schloss Elmau (Bayern) über das Thema beraten.

Am Wochenende trafen in Berlin die Außenminister der 30 Nato-Staaten zusammen, um über den künftigen Kurs gegenüber Russland zu beraten. Es wird an einem neuen Konzept gearbeitet, weil die alte Strategie von 2010 Chinas Rolle in der Welt vernachlässigt hatte und das Bündnis damals nicht davon ausging, dass es noch große Spannungen mit Russland geben würde. Sollte die Nato sich auf das neue Konzept einigen, soll es Ende Juni bei einem Gipfel in Madrid beschlossen werden.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit Kollegen in Berlin. dpa/Bernd von Jutzcenka

Nato-Treffen zum Ukraine-Krieg: Türkei mit Vorbehalten gegen Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens

Ob dann auch Finnland, dessen Regierung am Sonntag wie erwartet den Wunsch nach einem Nato-Beitritt verkündete, und vielleicht auch Schweden in die Überlegungen einbezogen werden, ist noch offen. Denn alle Nato-Partner müssen deren Beitritt zustimmen. Bei dem Treffen in Berlin machte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu  wie zuvor Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich, dass man der Nato-Erweiterung nur unter Bedingungen zustimmen werde.

Eine Mehrheit der Türken sei gegen die Aufnahme, weil Finnland und Schweden den Kampf der Türkei gegen die verbotene Kurden-Organisation PKK im Osten der Türkei und darüber hinaus sowie die kurdische YPG-Miliz in Syrien nicht unterstütze. Vielmehr bildeten laut Erdogan skandinavische Länder sogar „Gasthäuser für Terrororganisationen“.

Ukrainische Gerichtsmediziner vor einem Kühl-Waggon: Davor tote russische Soldaten, die identifziert werden sollen. AP/dpa/Vasilisa Stepanenko

In der Ukraine selbst haben die russischen Truppen trotz schwerer Verluste ihre Anstrengungen verstärkt, im Osten des Landes voranzukommen und ukrainische Verbände einzukesseln. Präsident Wolodymyr Selenskyi sprach von einer „sehr schwierigen Lage“ im Donbass.