Die Europäische Union hat scharfe Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft gesetzt. dpa/Arno Burgi

Die Sanktionen im Ukraine-Konflikt treffen Russland bis ins Mark. Doch was den Kremlchef Wladimir Putin zur Räson bringen soll, birgt auch unangenehme Nebenwirkungen. Experten sehen Russlands Schuldendienst akut in Gefahr. Nach 1998 könnte es in Moskau trotz voller Staatskasse erneut zu einer Staatspleite kommen. Mit Folgen für die globale Finanzwelt: Droht jetzt ein neues Banken-Beben samt Finanzkrise wie nach der Lehman-Brothers-Pleite 2008?

Russland erzeugt Verwerfungen auf dem Finanzmarkt, um dem Westen zu schaden

Aufgrund der westlichen Sanktionen bestehe ein hohes Risiko, dass Russland seine Schulden bei internationalen Gläubigern nicht mehr bedienen könne, sagte der Präsident des Berliner DIW-Instituts, Marcel Fratzscher. Unter einem Zahlungsausfall würden auch deutsche Investoren leiden, darunter einige Banken. Durch die Sanktionen hat Russland keinen freien Zugriff mehr auf Geldreserven. „Ich befürchte eine Ausweitung des Konflikts auf das globale Finanzsystem, bei dem Russland und seine Partner versuchen werden, Verwerfungen zu verursachen, um der Wirtschaft des Westens zu schaden“, so Fratzscher.

Russland hat insgesamt etwa 49 Milliarden Dollar Staatsschulden im Ausland. In dieser Zahl sind die sanktionsbedingt ins Wackeln geratenen Auslandsschulden aus der russischen Wirtschaft noch gar nicht enthalten.

Und erste Zahlungen werden schon bald fällig: Dem Finanznachrichtendienst Bloomberg zufolge stehen am 16. März Zinszahlungen über mehr als 100 Millionen Dollar an. Am 4. April läuft eine Anleihe über zwei Milliarden Dollar aus.

Wenn die Zahlungen ausbleiben, bedeutet das aber noch nicht unmittelbar die Staatspleite. Es gibt dann noch eine einmonatige letzte Frist.

Deutsche Banken kaum von Staatspleite betroffen

Das internationale Bankensystem scheint jedoch nicht ernsthaft durch eine Pleite Russlands gefährdet. Dazu ist die Rolle Russlands auf den globalen Finanzmärkten zu gering. Die meisten Finanzinstitute haben nur wenige russische Anleihen in ihrem Portfolio, so auch deutsche Banken.

Nach jüngsten Daten der Deutschen Bundesbank vom November 2021 beliefen sich die Forderungen deutscher Banken sowie ihrer Auslandsfilialen und -töchter gegenüber Russland auf etwa 7,5 Milliarden Euro. Das sind laut Bundesbank nur knapp 0,4 Prozent der gesamten Auslandsforderungen deutscher Institute.

Die Wertpapiere von öffentlichen Haushalten in Russland, zu denen auch Staatsanleihen zählen, beliefen sich bei deutschen Banken auf 119 Millionen Euro. Allerdings sind weitere Effekte eines Staatsbankrotts nicht voraussehbar. Auch in der Finanzkrise 2008 waren die Folgen der Lehman-Pleite nicht unmittelbar klar.

Weitaus mehr bluten müssen Institute in Italien, wie die Hypovereinsbank-Mutter Unicredit oder die französische Société Générale. Sie haben in großem Umfang Kredite an russische und ukrainische Firmen vergeben, die sie im Fall des Staatsbankrotts weitgehend abschreiben müssen.

Und am härtesten träfe es die österreichische Raiffeisenbank International, die 40 Prozent ihrer Gewinne in Russland, aber auch in der Ukraine macht. Diese Bank würde wohl durch andere österreichische Banken aufgefangen werden. Und hier wird auch sichtbar, dass die Ukraine eine weitere Risikoquelle ist: Auch der Kurs der Staatsanleihen des russischen Nachbarn ist zurzeit im freien Fall.