Ein ukrainischer Soldat auf einem zerstörten russischen Panzer in Rusaniv, ein Dorf nahe Kiew. AFP

Nicht nur Militärexperten reiben sich verwundert die Augen: Die russische Armee mit ihrer Mannstärke von einer Million, Atomwaffen und skrupellosen Sondereinheiten wird vom zahlenmäßig klar unterlegenen ukrainischen Militär massiv aufgerieben. Planungspannen, Fehler bei der Organisation von Nachschub und Material spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die schlechte Moral, die zahlreiche Einheiten geschwächt hat. Die Ukraine dagegen kämpft hoch motiviert um ihre Existenz. Zwei Monate nach Kriegsbeginn steht Russland vom sicher geglaubten Sieg weiter entfernt als noch zu Beginn der Invasion.

Panzer mit Konstruktionsschwäche: Panzerturm mit 40 Schuss Munition, Treffer löst tödliche Kettenreaktion aus

Auffällig ist die Vielzahl von russischen Panzern, die ukrainische Truppen im Abwehrkampf zerstört hat. Mindestens 580 dieser teils noch aus Sowjetzeiten stammenden Kettenfahrzeuge hat Russland bereits verloren. Auf Bildern sind die zerstörten Panzer häufig in zwei Teile getrennt zu sehen: Die Wanne mit dem daran befestigten Kettenantrieb und der beweglichen Kanonenturmeinheit mit dem Ladeautomaten sind voneinander getrennt worden. Hier offenbart sich eine Schwachstelle, die Konstrukteuren schon seit langer Zeit bekannt ist. Unter englischsprachigen Fachleuten wird das Phänomen „Jack in the Box“ – zu Deutsch: „Springteufel“ – genannt.

Militärexperte Brad Lendon erklärt auf CNN, anders als bei westlichen Panzern würden in Panzertürmen der Russen-Tanker Munition aufbewahrt. Das mache sie höchst angreifbar, weil selbst ein indirekter Treffer eine Kettenreaktion auslösen kann. Bis zu 40 Schuss Panzer-Munition könnten bei der Explosion eine Schockwelle auslösen, die den Turm von der Wanne abzusprengen vermag.

„Wenn Du nicht innerhalb von einer Sekunde aus dem Panzer bist, wirst Du getoastet“

Und so wird die Besatzung, die bei den Panzern üblicherweise aus zwei Mann im Panzerturm sowie einem Fahrer besteht, im Wortsinne zum Kanonenfutter: „Wenn Du nicht innerhalb von einer Sekunde aus dem Panzer bist, wirst Du getoastet“, bringt es der britische Armee-Offizier Nicholas Drummond auf den Punkt.

Obwohl diese Konstruktionsschwäche eigentlich auch der russischen Armee bekannt sein müsste, wurde diese selbst bei neueren Kampfpanzern nicht behoben. Drummond nennt den Infanteriepanzer BMD-4 als Beispiel, den Russland seit 2004 in Dienst gestellt hat. Außer den drei Mann Besatzung kann dieser weitere fünf Soldaten an die Front bringen. Eigentlich sollten diese durch die Panzerung geschützt sein. Doch getroffen von einer Rakete wird der Panzer für die gesamte Besatzung zu einem „mobilen Sarg“, so Drummond.