Davide Martello, Straßenmusiker aus Konstanz, spielt auf einem Flügel in Medyka in Polen, in der Nähe des Grenzübergangs in die Ukraine. dpa/Gollnow

Es sind Bilder des Elends, aber auch Bilder der Hoffnung. Fast 1,6 Millionen Menschen aus der Ukraine sind seit Kriegsbeginn nach Polen geflüchtet. Menschen, denen Hilfe angeboten wird. Unterstützung, Beistand, Solidarität. Nicht nur die Polen sind zur Stelle, um zu helfen. Freiwillige aus der ganzen Welt sind hierher an die Grenze zur Ukraine gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Menschen aus Israel und Deutschland, aus den USA und den Niederlanden. Am Grenzübergang in Medyka ist mittlerweile eine ganze Zeltstadt entstanden. Privatleute und Bürgerinitiativen, aber auch Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt kümmern sich um die Flüchtlinge.

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Artur Chojnowski backt Crêpes. Er gießt den Teig auf die gasbefeuerte Platte, wendet den hauchdünnen Pfannkuchen und legt ihn auf einen Pappteller. Natalija Kostutschenko greift zu. „Lecker, da bekommt man gleich bessere Laune“, sagt sie. Ein kurzer Moment der Freude für die 60-Jährige aus Charkiw, die mit ihrer Tochter und ihrem Enkelsohn vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen ist. „Wir haben zehn Tage im Bunker gesessen, alles bebte.“

Ein Feuerwehrmann aus Amsterdam sammelte 8000 Euro für Hilfsgütertransport

„Für mich war das einfach ein ganz spontaner Entschluss“, sagt Artur Chojnowski über seine Idee mit den Crêpes. Der 38-jährige gebürtige Pole arbeitet in Amsterdam als Feuerwehrmann. Über Crowdfunding hat er 8000 Euro gesammelt – genug für die Crêpes-Aktion und einen Hilfsgütertransport.

Artur Chojnowski backt kurz hinter dem Grenzübergang von der Ukraine nach Polen Crêpes für Geflüchtete. dpa/Gollnow

Vor dem Zelt der israelischen Organisation Retter ohne Grenzen kontrolliert Nachman Revivo (41) Medikamente. Was gerade in der Ukraine passiere, mache sein ganzes Team fassungslos, sagt der Sanitäter aus Jerusalem. „Wir sind alle Juden, wir kennen das aus unserer Geschichte – jetzt das gleiche wieder. Drei Millionen auf der Flucht. Am ersten Tag haben wir alle abends geweint.“

Viele Flüchtlinge seien unterkühlt, erzählt Revivo, andere hätten Panikattacken und Herzprobleme. Unter den Kindern seien viele traumatisiert von den Bombennächten, dem Gedränge in den Zügen während der Flucht. „Wir versuchen, sie mit Spielzeug und Süßigkeiten abzulenken. Aber manchmal nehmen wir sie einfach nur in den Arm: An meiner Schulter kannst du weinen.“

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Nachman Revivo, Sanitäter der israelischen Organisation Retter ohne Grenzen, hilft im Flüchtlingscamp. dpa/Gollnow

Auf Ablenkung setzt auch Davide Martello. Der Straßenmusiker aus Konstanz hat seinen schwarzen Flügel zwischen den Helferzelten am Grenzübergang aufgebaut. Er spielt „Imagine“ von John Lennon und „Hallelujah“ von Leonard Cohen, während Mütter mit Kindern und schwerem Gepäck an ihm vorbeiziehen. „Ich möchte die Flüchtlinge willkommen heißen“, sagt der Pianist, der auch schon für die Opfer der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal gespielt hat.

„Wir fühlen den Schmerz, auch die Sikhs wurden schon vertrieben“

Beim „India Food Truck“ dampft ein Kessel mit Kichererbsen-Curry. Hardayal Singh von der Organisation United Sikhs ist aus New York gekommen, um die Hilfsaktion mit 14 Freiwilligen zu koordinieren. „Wir fühlen den Schmerz, auch die Sikhs wurden schon vertrieben“, sagt der 52-jährige Software-Experte und erzählt, wie er 1984 Indien verlassen musste. Die Religionsgemeinschaft der Sikhs hat weltweit rund 25 Millionen Anhänger – die meisten von ihnen leben in der nordindischen Provinz Punjab.

Auch Fabien Kriegel streift durch das Gewusel hinter dem Grenzübergang Medyka. Er gehört zu einem Erkundungsteam vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hessen und soll herausfinden, was hier gebraucht wird. „An den Grenzübergängen läuft es recht koordiniert ab: die Verteilung der Flüchtenden auf die Erstanlaufstellen, die Registrierung und der Weitertransport ins Inland.“

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Aber auch der polnische Staat müsse sich erst mal einen Überblick verschaffen, die Lage wachse von Tag zu Tag, und täglich seien mehr Einsatzkräfte von Militär, Polizei und Feuerwehr dabei. Der ASB Hessen will nun Verpflegungs- und Betreuungszelte an die Grenze bringen. Die Helfer stellen sich auf einen längeren Zeitraum ein – maximal drei Monate.