Der Kachowka-Staudamm bei Cherson. Die Wassermassen würden eine massive Flutwelle auslösen.
Der Kachowka-Staudamm bei Cherson. Die Wassermassen würden eine massive Flutwelle auslösen. Creative Commons/Wolodymyr Dzjubak

Seit Wochen spielt Russland mit der Angst vor der Überflutung zahlreicher Orte um die besetzte ukrainische Großstadt Cherson: Der dortige Kachowka-Staudamm soll von russischen Truppen vermint worden sein, möglicherweise um ukrainische Einheiten zu treffen, während sie die südukrainische Stadt Cherson zurückerobern. Eine Zerstörung des Staudamms, so Experten, hätte verheerende Auswirkungen weit über Cherson hinaus und würde auch russische Truppen gefährden.

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Russland beschuldigt Ukraine, Kachowka-Staudamm beschossen zu haben

Nun behauptet Russland, der Kachowka-Staudamm sei von einer ukrainischen Rakete getroffen worden. Um 10.00 Uhr (9.00 Uhr MEZ) am Sonntag habe es einen Angriff mit „sechs Himars-Raketen“ gegeben, zitierten russische Nachrichtenagenturen örtliche Rettungsdienste. Eine Rakete habe dabei eine Schleuse des Kachowka-Damms getroffen, hieß es weiter.

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Der Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka liegt am Dnipro in der Region Cherson, die derzeit von russischen Truppen kontrolliert wird und von Moskau annektiert wurde. Die Ukraine hatte Russland beschuldigt, den Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka zerstören zu wollen.

Zehnstöckige Flutwelle aus Kachowka-Staudamm könnte 100.000 Menschen gefährden – und Russland schaden

Ein ukrainischer Militärexperte geht davon aus, dass die im Staudamm vorhandenen 18 Millionen Kubikmeter Wasser eine etwa zehnstöckige Flugwelle verursachen würden, die rund 100.000 Menschen in der Umgebung von Cherson gefährden würden. Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die mutmaßlichen Pläne Russlands öffentlich gemacht und den Aggressor beschuldigt, eine Attacke unter falscher Flagge zu unternehmen, um die Schuld dafür der Ukraine zu geben.

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Militärexperten rätseln dennoch, was die tatsächlichen Absichten Russlands sind, denn die Sprengung hätte wohlmöglich dramatischere Folgen für das eigene Land. Unter anderem hängt die Trinkwasserversorgung der Krim an dem Staudamm. Vermutet wird, dass die Angst vor einer Flutkatastrophe ukrainische Truppen zurückhalten soll, um den eigenen Truppen einen geordneten Rückzug aus Cherson zu ermöglichen.