Die hochschwangere Frau, die verletzt aus der am 9. März von russischen Truppen beschossenen Mariupoler Klinik getragen worden war, ist tot. Auch ihr Baby lebt nicht.
Die hochschwangere Frau, die verletzt aus der am 9. März von russischen Truppen beschossenen Mariupoler Klinik getragen worden war, ist tot. Auch ihr Baby lebt nicht. AP/Evgeniy Maloletka

Russland will die Ukraine erwürgen, die USA und die EU wollen dafür Russland wirtschaftlich den Hals umdrehen. So stellt sich gegenwärtig die weltpolitische Lage um den europäischen Krieg dar. Für die Menschen in der Ukraine ist der Tod dagegen tägliche Gegenwart. Beschuss von Wohnvierteln durch Putins russische Soldaten fordert ständig zivile Opfer. Grauenvoll: Eine Schwangere, die nach dem Beschuss einer Geburtsklinik in Mariupol verwundet abtransportiert und dabei fotografiert worden war, ist tot. Mit zerstörtem Becken und ausgerenkter Hüfte starb sie nach einem Kaiserschnitt, das Kind war tot.

Während russische Truppen Städte beschießen und laut vieler ukrainischer Berichte in eroberten Ortschaften Zivilisten ermorden, rauben und plündern, ihre Artillerie beispielsweise mit einer Flugzeugfabrik bei Kiew die Wirtschaft zerstört, spielt sich im Schwarzen Meer ein unsichtbarer Krieg ab. Putins Kriegsschiffe haben die Ukraine vom internationalen Seehandel abgeschnitten.

„Russische Seestreitkräfte haben aus der Ferne eine Blockade der ukrainischen Schwarzmeerküste herbeigeführt“, hatte es in einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums am späten Sonntagabend geheißen. Das schneide das Land  vom internationalen Seehandel ab. Gleichzeitig führten russische Schiffe weiterhin Raketenangriffe gegen Ziele in der gesamten Ukraine durch, hieß es in dem Geheimdienst-Update weiter. In den kommenden Wochen könne es vermehrt auch zur Landung russischer Truppen an der ukrainischen Küste kommen, warnten die Briten.

Am Montagmorgen meldeten die Briten, dass 2,5 Millionen Menschen wegen Präsident Putins Angriff auf der Flucht und die von den  UN geschätzte zivile Opferzahl wahrscheinlich deutlich höher sei als 1663.

Die USA versuchen nun, Russland Schlupflöcher zum Unterlaufen der Sanktionen zu verstopfen, und übt deshalb Druck auf China aus. Das Land lavierte in den vergangenen Wochen. Einerseits wurde von Regierungsschef Li Kequiang „äußerste Zurückhaltung“ im Krieg gefordert, andererseits hat sich Peking bislang nicht zu einer Verurteilung Moskaus bereitgefunden.

Am Montag kam es zu einem Treffen des Politbüro-Mitglieds Yang Jiechi, das als wichtigster Außenpolitiker Chinas gilt, und dem Nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan von US-Präsident Joe Biden in Rom. Zuvor gab es diplomatische Unfreundlichkeiten, als Peking Meldungen aus US-Kreisen als „bösartig“ bezeichnete, Russland habe in China nach dem Überfall auf die Ukraine um militärische und wirtschaftliche Hilfe gebeten.

Eine ukrainische und eine russische Delegation verhandelten am Montag zum vierten Mal, diesmal nicht in Belarus, sondern über Video. Nach einigen Stunden wurden die Gespräche auf Dienstag vertagt.  Beim Antrittsbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)   am Montag in Ankara war der Ukraine-Krieg Hauptthema beim Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Ein Feuerwehrmann hat eine Katze aus einem zerschossenen Haus in Kiew geholt, seine Kameraden klettern aus der ausgebrannten Ruine.
Ein Feuerwehrmann hat eine Katze aus einem zerschossenen Haus in Kiew geholt, seine Kameraden klettern aus der ausgebrannten Ruine. imago/Maxym Marusenko

Nord-Bündnis fürchtet russischen Überfall auf weitere Staaten

Am Montagabend will der britische Premierminister Boris Johnson mit Staats- und Regierungschefs aus den Ländern der nordeuropäischen Verteidigungskooperation Joint Expeditionary Force (JEF) konferieren. Es soll darum gehen, dass keine weitere Nation Opfer russischer Aggression wird, wie es im russischen Staatsfernsehen schon durchgespielt wird. Zu den beteiligten Ländern zählen neben Großbritannien Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Island, Estland, Lettland Litauen sowie die Niederlande.

Für den Montag vereinbarten Russland und Ukraine zehn Fluchtkorridore. Es solle unter anderem erneut versucht werden, einen Konvoi mit Lebensmitteln und Medikamenten in die belagerte Hafenstadt Mariupol zu bringen, sagte die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk. Mehrere Anläufe waren  bereits gescheitert. Die Lkw und Busse sollten von orthodoxen Priestern begleitet werden. Ziel ist es, Einwohner angesichts der schlimmen humanitären Lage aus der Stadt zu holen.

Wereschtschuk zufolge wurden allein in der Region um die Hauptstadt Kiew sechs Korridore vereinbart, drei weitere im Gebiet Luhansk in der Ostukraine.

Niederlande und Australien wollen Schadenersatz für ihre Toten von MH17

Sommer 2014: Überreste der Passagiere von MH17, die meisten waren Niederländer, werden geborgen.
Sommer 2014: Überreste der Passagiere von MH17, die meisten waren Niederländer, werden geborgen. AP/Evgeniy Maloletka

Ein acht Jahre zurückliegendes Verbrechen lässt Russland auch nicht los: Die Niederlande und Australien haben bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ein Verfahren gegen Russland wegen des Abschusses von Passagierflug MH17 eingeleitet.  Die Organisation solle feststellen, dass Russland Schadenersatz leisten muss. Die Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur war 2014 über der Ostukraine von einer Buk-Luftabwehrrakete abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. Laut internationalen Untersuchungen kam die Rakete aus Russland.