Joachim Gauck will einen Stopp russischer Energie-Importe. dpa/Axel Heimken

Der einstige britische Premier Winston Churchill hatte seinen Landsleuten angesichts der Bedrohung durch das Nazi-Regime nichts als „Blut, Schweiß und Tränen“ anzubieten. Mit solchen Ansprachen halten sich deutsche Politiker angesichts der russischen Bedrohung zurück. Anders als die USA will die Bundesregierung Gaslieferungen aus Russland nicht stoppen – mit Rücksicht auf den sozialen Frieden im Land. Denn die Preise für Energie sind bereits auf breiter Front massiv angestiegen. Die Spritpreise liegen deutlich über der 2-Euro-Marke, die Gaspreise haben sich mehr als verdoppelt: In den Russland-Sanktionen liegt tatsächlich sozialer Sprengstoff. Vor allem für Geringverdiener wird es zunehmend eng.

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Doch nun spricht ein früherer Bundespräsident aus, was viele denken: Wir müssen Opfer bringen, ja möglicherweise selbst körperlich mitleiden. Joachim Gauck fordert von uns, notfalls zu „frieren“. Der frühere Pastor aus Rostock spricht sich klipp und klar für einen Stopp russischer Energie-Importe aus. Menschen in Deutschland könnten eine „generelle Delle im Wohlstandsleben“ ertragen, so Gauck wörtlich.

Ukraine-Krieg: Gauck für harte Sanktionen gegen Russland

„Also, ich kann mir das sehr gut vorstellen“, sagte Gauck in der Nacht zum Donnerstag in der ARD-Talkshow „Maischberger“. Dies sei „eine ernsthaft zu überlegende Variante“, die ihm mehr liege als der Istzustand.

Die Verluste an Wohlstand seien zu ertragen, sagte Gauck. „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.“ Zugleich sei Deutschland ein sozialer Rechtsstaat, der für die am stärksten betroffenen Menschen sorge.

Wir verfügen über mehr Kräfte, als wir heute, wenn wir sie noch nicht brauchen, denken.“

Joachim Gauck

„Eine generelle Delle in unserem Wohlstandsleben ist etwas, was Menschen ertragen können. Wir haben andere Probleme ertragen und wir haben sie bewältigt.“ Der Ex-Bundespräsident sprach den Menschen im Land Mut zu: „Wir verfügen über mehr Kräfte, als wir heute, wenn wir sie noch nicht brauchen, denken.“

Gauck: Deutschland muss Führungsstärke zeigen

Gauck zeigte sich erfreut über die große Hilfsbereitschaft für Ukraine-Flüchtlinge und empfahl, sich um andere zu kümmern. „Das Leben wird dann schön, obwohl es schwieriger wird.“

Die Entscheidungen der Bundesregierung für harte Sanktionen gegen Russland und für mehr Verteidigungsausgaben begrüßte Gauck, der 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz gefordert hatte, Deutschland müsse außenpolitisch stärker Verantwortung übernehmen. „Ich freue mich natürlich über ein Land, das plötzlich aufwacht“, sagte Gauck. Ein Land, das plötzlich merke: „Ach so, wir müssen uns auch verteidigen! Was uns lieb ist und wert ist, das muss man auch verteidigen.“ Er freue sich auch über die Regierung, die auf den richtigen Kurs eingeschwenkt sei und nun Führungsstärke zeige.