Alice Schwarzer, Autorin und Feministin, hat eine Petition über schwere Waffenlieferungen an die Ukraine angestoßen. dpa/Berg

Um kurz nach 20 Uhr am Sonnabendabend war klar: Mehr als 84.000 Menschen haben den Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine unterzeichnet. „Bei 75.000 Unterschriften wird diese Petition zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org!“, hieß es zuvor vonseiten der Internet-Plattform. Angestoßen hatten die Aktion deutsche Prominente um Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.

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„Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir begrüßen, dass Sie bisher so genau die Risiken bedacht hatten: das Risiko der Ausbreitung des Krieges innerhalb der Ukraine; das Risiko einer Ausweitung auf ganz Europa; ja, das Risiko eines 3. Weltkrieges. Wir hoffen darum, dass Sie sich auf Ihre ursprüngliche Position besinnen und nicht, weder direkt noch indirekt, weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern. Wir bitten Sie im Gegenteil dringlich, alles dazu beizutragen, dass es so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand kommen kann; zu einem Kompromiss, den beide Seiten akzeptieren können.“

So beginnt beginnt der Brief, den diese Promis aufgesetzt und zuerst unterschrieben hatten: Andreas Dresen, Filmemacher, Lars Eidinger, Schauspieler, Dr. Svenja Flaßpöhler, Philosophin, Alexander Kluge, Intellektueller, Heinz Mack, Bildhauer, Gisela Marx, Filmproduzentin, Prof. Dr. Reinhard Merkel, Strafrechtler und Rechtsphilosoph, Prof. Dr. Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler, Reinhard Mey, Musiker, Dieter Nuhr, Kabarettist, Gerhard Polt, Kabarettist, Helke Sander, Filmemacherin, HA Schult, Künstler, Alice Schwarzer, Journalistin, Robert Seethaler, Schriftsteller, Edgar Selge, Schauspieler, Antje Vollmer, Theologin und grüne Politikerin,
Franziska Walser, Schauspielerin, Martin Walser, Schriftsteller, Prof. Dr. Peter Weibel, Kunst- und Medientheoretiker, Christoph, Karl und Michael Well, Musiker, Prof. Dr. Harald Welzer, Sozialpsychologe, Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist, Juli Zeh, Schriftstellerin und  Prof. Dr. Siegfried Zielinski, Medientheoretiker.

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Weltweiten Frieden anstreben, so Alice Schwarzer

Das Dokument wurde am Freitag auf der Website der Zeitschrift Emma veröffentlich, nachdem der Bundestag am Donnerstag mit großer Mehrheit die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gebilligt hatte. Gleichzeitig können jetzt alle Bundesbürger auch auf der Plattform change.org unterschreiben.

Zwar teilen die prominenten Autorinnen und Autoren die Ansicht, dass Russland das Völkerrecht gebrochen habe und es eine „prinzipielle politisch-moralische Pflicht“ gebe, vor Gewalt nicht ohne Gegenwehr zurückzuweichen. Allerdings gebe es Grenzen, wenn das Risiko eines atomaren Konflikts in Kauf genommen werde und das Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung zu groß werde. Über letzteres dürfe nicht alleine die ukrainische Regierung entscheiden. Die Verantwortung für die Eskalationsgefahr gehe auch diejenigen an, die dem Aggressor „sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern“.

Weiter hieß es in dem Brief: „Die unter Druck stattfindende eskalierende Aufrüstung könnte der Beginn einer weltweiten Rüstungsspirale mit katastrophalen Konsequenzen sein, nicht zuletzt auch für die globale Gesundheit und den Klimawandel.“ Es gelte, einen weltweiten Frieden anzustreben. Der deutsche Bundeskanzler könne nach Überzeugung der Unterzeichnenden „entscheidend zu einer Lösung beitragen, die auch vor dem Urteil der Geschichte Bestand hat“.

Ukraine-Botschafter kritisiert den Brief von Alice Schwarzer scharf

Kritik sowohl am Brief und seinen Erstunterzeichnern, aber auch an den Zehntausenden, die bereits auf change.org unterschrieben haben, kam umgehend. So meckerte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, über die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in mehreren Tweets. Er nannte die darin erteilten Ratschläge „blöd und sittenlos“ und riet davon ab, die Zeitschrift Emma zu kaufen.

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Auch Grünen- und FDP-Politiker sparten nicht mit Kritik. Lob kam hingegen von Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht: Die Forderungen zur Verhinderung eines dritten Weltkriegs seien nach der Abstimmung im Bundestag „umso dringlicher“, riet sie.