Tschüss, Twitter? Wenn Elon Musk sein Wort hält, muss er als Chef des Kurznachrichtendiensts zurücktreten.
Tschüss, Twitter? Wenn Elon Musk sein Wort hält, muss er als Chef des Kurznachrichtendiensts zurücktreten. AP/Evan Agostini

Und jetzt, Elon Musk? Bei einer Abstimmung unter Twitter-Nutzern, die der Eigentümer des Kurznachrichtendiensts selbst gestartet hatte, sprach sich eine Mehrheit von 57,5 Prozent der 17,5 Millionen Teilnehmern dafür aus, dass er die Unternehmensführung abgibt. Musk (Tesla, SpaceX) hatte angekündigt, sich an das Votum zu halten.

„Soll ich als Chef von Twitter zurücktreten?“, hatte Musk (51) in der Nacht zu Montag in einem Tweet gefragt und Nutzern die Möglichkeit gegeben, die Frage mit Ja oder Nein zu beantworten. 

Musk kaufte Twitter im Oktober – seither gibt es viel Krawall

Die Rolle des Multimilliardärs ist seit seinem Twitter-Kauf für 44 Milliarden Dollar umstritten. Er hatte einen Großteil der Belegschaft gefeuert und gesperrte Accounts freigegeben. Darunter die von Ex-Präsident Donald Trump und anderer Nutzer, die Verschwörungserzählungen, Falschmeldungen oder Beleidigungen in die Welt geblasen hatten.

Für Ärger sorgte sein Vorhaben, den Nutzern von Twitter künftig nicht mehr zu erlauben, ihre Präsenz auf bestimmten Konkurrenz-Plattformen zu bewerben, darunter Facebook, Instagram oder Mastodon. Musk versprach in der Nacht zu Montag in einem weiteren Tweet, größere Änderungen der Richtlinien für die Plattform künftig ebenfalls zur Abstimmung zu stellen. „Ich bitte um Entschuldigung. Wird nicht wieder vorkommen.“

Trumps Schwiegersohn als neue Twitter-Spitze?

Da Musk nicht mitgeteilt hatte, wie es nach einer „Abwahl“ weitergeht (Eigentümer will er bleiben), kochten schnell Mutmaßungen auf: Jared Kushner, Schwiegersohn Donald Trumps, könnte Musks Nachfolger an der Twitter-Spitze werden.  Musk und Kushner Gäste waren beim Endspiel der Fußball-WM in Katar. Ein entsprechendes Foto, auf dem Kushner links neben Musk steht, soll das Indiz sein - in Verbindung mit Musks Unterstützung der US-Republikaner. 

Tesla-Investoren hoffen auf bessere Aktienkurse

Das Twitter-Engagement hat Musk insgesamt geschadet: Den Erwerb hatte er mit dem Verkauf von Aktien des Elektroauto-Herstellers Tesla finanziert. Der Autokonzern verlor an der Börse in den vergangenen drei Monaten rund die Hälfte seines Werts. Aus Reihen von Tesla-Investoren kam Kritik. Sie forderten Musk auf, sich wieder verstärkt Tesla zu widmen und den Autobauer auf Kurs zu halten.

Die Analystin Susanna Streeter von der Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown erklärte am Montag, ein Musk-Rücktritt als Twitter-Chef könnte die Tesla-Aktien vorübergehend mit einem „Schuss Optimismus“ antreiben. Verbunden mit der Hoffnung, dass Musk dem Autobauer endlich die Aufmerksamkeit gibt, die er brauche in einer Zeit von Gegenwind wie der fallenden Nachfrage in China.

Mit dem Aktienkurs von Tesla schrumpfte auch Musks Vermögen. Er liegt jetzt auf Ranglisten der  reichsten Menschen der Welt hinter dem Franzosen Bernard Arnault vom Luxusgüterkonzern LVMH „nur“ noch auf Rang 2. Der Arme ...