Auf der dänischen Insel Lolland sind Vorarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel bereits im Gange.

Fehmarn - Die Dänen buddeln schon, in Deutschland hakt es noch: Die beiden Länder sollen 2029 mit einem 18 Kilometer langen Eisenbahn- und Straßentunnel zwischen den Inseln Fehmarn und Lolland verbunden werden. Er soll bei der Bahn die Reisezeit zwischen Hamburg und Kopenhagen von bislang viereinhalb auf unter drei Stunden verkürzen. Autofahrer brauchen dann von Fehmarn nach Lolland statt 45 Minuten mit der Fähre nur noch zehn Minuten.

Die Bewertungen für das Projekt schwanken zwischen Jahrhundertbauwerk und ökologischer Katastrophe. Deshalb wollen Naturschützer noch eine letzte Karte ziehen: Sie erwägen eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, nachdem das Bundesverwaltungsgericht am 3. November alle Klagen gegen den Tunnel abgewiesen hatte. Gegner des Bauvorhabens befürchten unter anderem, dass der Verkehr auf Fehmarn wegen der vielen Baufahrzeuge zusammenbrechen könnte. Außerdem haben sie Sorge, dass langfristig die Touristen ausbleiben könnten, wenn möglicherweise ganz Fehmarn zur Baustelle wird.

Unabhängig davon erwartet die Projektgesellschaft Femern A/S, dass bald auch in Deutschland die Bauarbeiten beginnen, wie Sprecherin Denise Juchem erklärte. Bei Puttgarden soll zunächst ein Arbeitshafen entstehen, über den ein Großteil des Materials angeliefert werden soll, das für den Bau des Tunnelportals benötigt wird. 

Die Aushubarbeiten für den eigentlichen Tunnel sollen im Sommer 2021 beginnen. Er wird in vorgefertigten Betonteilen in eine auszuhebende Rinne am Meeresgrund gesenkt.

So kann man sich den Tunnel unter dem Fehmarnbelt vorstellen.  Grafik: Femern A/S

In Dänemark, wo seit 2015 Baurecht für den Tunnel besteht, wird  bereits gebaut. „Seit Mitte Juni läuft in Rødbyhavn der Bau der Molen für den Arbeitshafen, und auch die Aushubarbeiten für den Hafen und die Zufahrt haben bereits begonnen“, sagte Juchem.

Auch für die Hinterlandanbindung des Tunnels, die Gegenstand eines gesonderten Genehmigungsverfahrens ist, laufen die Vorbereitungen. Bei der Bahn soll 2022 mit der Erneuerung der Signaltechnik an der Strecke begonnen worden sein, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Man gehe weiterhin davon aus, gemeinsam mit den den Dänen den Betrieb auf der Strecke aufnehmen zu können.

Der Tunnel wird Fahrtstrecken von Deutschland nach Dänemark und Schweden verkürzen. Karte: dpa

Dänemark wird den mit 7,1 Milliarden Euro veranschlagten Tunnel auf eigene Kosten und mit EU-Hilfe bauen und betreiben. Die Nutzung für Autos und Lastwagen soll mautpflichtig sein. Deutschland muss für die Kosten der Straßen- und Schienenanbindung auf schleswig-holsteinischer Seite in Höhe von 3,5 Milliarden Euro aufkommen. Darin enthalten ist ein Risikopuffer von 1,1 Milliarden Euro.