Urlaub mit der Tui? Der Reise-Riese bietet für die Winter-Saison nur ein stark abgespecktes Programm an. Foto: Imago Images/Alexander Ludger

Berlin - Corona macht das Planen für Urlauber, aber auch für Reiseveranstalter extrem schwierig. Beim Tui- Konzern müssen sich Kunden angesichts neuer Corona-Reisewarnungen und hoher Unsicherheit auf ein deutlich eingeschränktes Winter-Programm einstellen. Der weltgrößte Touristik-Anbieter streicht sein Angebot zusammen.

Laut Tui können Urlauber in den kommenden Monaten nur noch etwa 40 Prozent der ursprünglichen Kapazitäten nutzen. Zuletzt sei das reduzierte Programm zu 30 Prozent gebucht gewesen, berichtet das Unternehmen.

Die Pandemie ist für die Reisebranche zu einer existenziellen Krise geworden. Nach gut dreimonatigem Stillstand fuhr Tui seit Mitte Juni den Betrieb langsam wieder hoch. „Seit der Wiederaufnahme sind 1,4 Millionen Kunden mit uns in den Urlaub gefahren“, so Vorstandschef Fritz Joussen zum Zeitraum bis Ende August. Doch Reisewarnungen lassen viele Urlauber bei langfristigen Buchungen zögern.

Auch in Spanien inklusive der Balearen und Kanaren, die besonders bei Deutschen und Briten beliebte Ziele sind, ist die Lage angespannt. Das gesamte Marktumfeld sei unbeständig, erklärt Joussen. „Und dies wird voraussichtlich auch noch in den kommenden Quartalen so bleiben.“

Die Tui-Busse auf Malle warten. Aber vielen Kunden ist das Reisen zu unsicher geworden. Foto: Imago Images/Thomas Reiner

Für das Wintergeschäft 2020/2021 meldet Tui einen Buchungsstand, der derzeit um 59 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt. Die Preise seien im Schnitt um drei Prozent höher. Ziel sei es, den Kunden trotz des gekürzten Programms „weiterhin verantwortungsvoll eine Vielzahl sicherer Winterurlaubs-Optionen“ anbieten zu können.

Bei Tui Cruises sind drei von sieben Schiffen im Einsatz

In der Kreuzfahrtsparte sind einige Meerestouren in Europa zurück im Angebot - bei Tui Cruises sind drei von sieben Schiffen im Einsatz, bei Hapag-Lloyd Cruises drei von fünf. Joussen hatte unter anderem ein Konzept für kürzere Fahrten in der Nord- und Ostsee vorgelegt. Für sämtliche Passagiere ist inzwischen ein Covid-19-Test im Programm enthalten. Die Kunden bekommen diesen zwei oder drei Tage vor Beginn der Tour und müssen zum Check-in ein negatives Ergebnis vorweisen. 44 Prozent der konzerneigenen Hotels war bis Ende August wiedereröffnet.

Man müsse jedoch nach wie vor mit geänderten Reisehinweisen rechnen, „so dass sich der Trend zu kurzfristigen Buchungen fortsetzen wird, bis die Gäste eine größere Planungssicherheit haben“. Statt pauschaler Risikobewertungen für ganze Länder seien präzisere, regionale Einschätzungen nötig.

Mundwinkel unten: Auch die Tui-Beschäftigten haben schon bessere Zeiten erlebt. Foto: dpa/Peter Steffen

Für den nächsten Sommer hält Tui an der Planung fest, 80 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität anzubieten. Aktuell gebe es „eine positive Buchungsentwicklung“ - dem Wert von 84 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt aber auch der Corona-Sondereffekt zugrunde: Viele Urlauber haben ihre Reisen auf das kommende Jahr umgebucht oder wollen sich frühzeitig Plätze sichern, Tui zog den Buchungsstart für die Sommersaison 2021 außerdem vor. Die Preise stiegen um zehn Prozent.

Finanziell ist das Unternehmen stark unter Druck. Möglicherweise wieder zunehmende Rückerstattungen an die Kunden wegen veränderter Reisehinweise könnten die verfügbaren Mittel weiter verknappen. Einschließlich des im August vereinbarten, bereitstehenden Staatskredits des Bundes von 1,2 Milliarden Euro hat Tui Zugriff auf eine Liquidität von rund zwei Milliarden Euro. Aufgrund der unsicheren Reiselage rechnet der Konzern aber mit einer etwas schlechteren Entwicklung der Kassenlage von Oktober bis Ende Dezember. (mit dpa)