Eine Kampfdrohne aus türkischer Produktion. Unbemannte Flugzeuge dieses Typs sollen im Krieg um Berg-Karabach von Aserbaidschan eingesetzt worden sein. Foto: Wikipedia

Krieg führen, selbst entwickelte Waffen ausprobieren, sie verkaufen – und die Familienkassen des Präsidenten und seines Umfelds füllen. Die Türkei hat ein Geschäftsfeld entdeckt, das im Gegensatz zur übrigen Wirtschaft floriert. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine klare Linie: „Wir werden der Verteidigungsindustrie weiterhin jegliche Unterstützung zukommen lassen.“

Die Türkei ist nach einer Einschätzung des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri einer der weltweit aufstrebenden Waffenexporteure. Der massive Ausbau der Rüstungsindustrie ist Teil einer größeren Strategie – und Teil einer immer offensiveren Außenpolitik. Die Ausgaben für das eigene Militär stiegen von 2015 bis 2019 von 12,3 auf 20,8 Milliarden Dollar. Der Umsatz der Rüstungsindustrie hat sich seit 2002 verelffacht.

Die türkische Industrie stellt dabei eine breite Palette an Produkten her – und die Verbindungen zur Regierung sind offensichtlich. Die  Kampfdrohne Bayraktar TB2 wird von einem Unternehmen produziert, das einem Schwiegersohn Erdogans gehört. Ein weiterer wichtiger Akteur ist nach Angaben der Wissenschaftlerin Hürcan Asli Aksoy vom Centrum für angewandte Türkeistudien (CATS) die Firma Sadat. Ihr Chef ist ein ehemaliger Berater des Präsidenten.

Türkische Waffen: Billiger und kampferprobt

Türkische Waffen und türkisches Know-how werden laut Hüseyin Bagci, Professor am Institut für Internationale Beziehungen der Universität Odtü in Ankara, weltweit exportiert. Die Küstenwache in Nigeria etwa patrouilliere mit türkischer Ausstattung, auch jene von Somalia bekomme Training und Equipment vom türkischen Militär.

„Preis und Qualität“ machten den Erfolg türkischer Waffen aus, sagt Bagci. Türkische Drohnen etwa seien billiger als die aus den USA – und im Gegensatz zu Israel etwa habe die Türkei Testfelder für ihre Waffen. Die Kriege zwischen Armenien und Aserbaidschan um  Berg-Karabach sowie in Libyen hätten der türkischen Militärindustrie Erfahrungen von unschätzbarem Wert eingebracht, sagt Can Kasapoglu vom Zentrum für Wirtschaft und Außenpolitik (Edam) in Istanbul. Seit 2016 hat die Türkei in Nordsyrien in den Bürgerkrieg eingegriffen. Seit einem Jahr unterstützt die Türkei dort die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch mit militärischer Ausstattung und Personal im Bürgerkrieg. 

Das Eingreifen in Libyen hat das Kräfteverhältnis zugunsten al-Sarradschs beeinflusst, in Syrien haben türkische Kampfdrohnen Regierungstruppen zurückgedrängt, im Krieg um Berg-Karabach wird davon ausgegangen, dass türkische Drohnen dem „Bruderstaat Aserbaidschan“ zum Sieg verholfen haben.  

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Selbstversorger ist das Land in Sachen Waffen noch nicht. Besonders auf Deutschland sei man angewiesen, sagt Bagci. Mit Blick auf die Marine sei Berlin wichtiger Partner. Die Türkei hat im vergangenen Jahr Kriegswaffen für 344,6 Millionen Euro aus Deutschland erhalten –  mehr als ein Drittel der deutschen Kriegswaffenexporte.

Ein Leopard-Panzer der türkischen Armee auf dem Weg nach Syrien. Nach starkem Rückgang sind die deutsche Waffenexporte in die Türkei zuletzt wieder gestiegen. Foto: dpa/XinHua

Trotz der Verkaufserfolge sieht Professor Bagci eine Überdehnung der türkischen Wirtschaft. Die Wissenschaftlerin Aksoy meint: „Auf lange Sicht ist das ökonomisch nicht haltbar. In Libyen zum Beispiel verkauft das Militär Waffen, da verdient die Türkei. Aber im Nordirak oder in Nordsyrien ist es kostspielig, weil dort türkische Truppen im Einsatz sind.“