Vergnatzt: Donald Trump auf dem Weg nach Texas, wo er seine nicht fertiggestellte Mauer zu Mexiko besichtigen wollte. Foto: AP Photo/Gerald Herbert

Am 20. Januar ist Schluss, Donald Trump wird nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein. Zeke Miller, seit 2017 Berichterstatter der Nachrichtenagentur AP für das Weiße Haus und selbst ein Präsident - der White House Correspondents Association - schrieb diesen politischen Nachruf.

Donald Trumps Tage im Weißen Haus sind gezählt. Doch schon länger erfüllt er seine Aufgaben als US-Präsident nicht mehr. Als an Weihnachten eine Autobombe in Nashville hochging, verlor Trump kein Wort darüber. Das Coronavirus erreichte tragische Höchstwerte bei Erkrankten und Opfern in den USA, Trump blieb stumm. Dagegen forderte ein von Trumps Worten angestachelter Mob, Vizepräsident Mike Pence am Kapitol in Washington zu hängen - danach ging Trump nicht auf seinen Stellvertreter zu.

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Dass Trump Normen zur Führung eines Landes oder zum menschlichen Anstand überschreitet, überschattet seine letzten Tage im Amt. Selbst enge Berater sagen im Privaten, sein Vermächtnis als Präsident sei unumkehrbar befleckt. Sechs Regierungsvertreter beklagten sich hinter vorgehaltener Hand über Trumps Verhalten in letzter Zeit.

Was sie anonym sagen, formuliert der republikanische Funktionär Michael Steel direkt:  „Auch nach der Wahlniederlage hatte Präsident Trump die Gelegenheit, das Weiße Haus mit hoch erhobenem Kopf zu verlassen - die Errungenschaft des Covid-19-Impfstoffs feiernd, den Fortschritt im Nahen Osten und die lebendige Wirtschaft vor der Pandemie, befeuert durch die Steuerreform.“ Doch Trump habe entschieden, „sich in Wahnvorstellungen und Trauer zu suhlen und - als Ergebnis - wird das definierende Bild seiner Präsidentschaft ein blutiger, mordlustiger Mob sein, der die Kathedrale unserer Demokratie plündert, das Kapitol der Vereinigten Staaten.“

Als die Gewalt am vergangenen Mittwoch das Kongressgebäude erschütterte, mahnte Trump nur mit Verzögerung Ruhe an. In einem Video am Donnerstag verurteilte er die Gewalt, mutmaßlich, um juristische Konsequenzen und potenzielle Versuche abzuwenden, ihn vor dem Ende seiner Amtszeit aus dem Weißen Haus zu kegeln.

Trump schweigt trotz der Gefahr bewaffneter Proteste

Wenige Tage vor der Vereidigung seines gewählten Nachfolgers Joe Biden am 20. Januar warnt das FBI nun vor bewaffneten Protesten im ganzen Land. Auch jetzt hat Trump nichts zu seinen Anhängerinnen und Anhängern zu sagen, um die Spannungen zu beruhigen und neuerlichen Ausschreitungen entgegenzuwirken.

Im Weißen Haus arbeiten Berater hart daran, dass Trump noch einmal seine angeblichen Errungenschaften hervorhebt. Der stimmte zwar zu, in Texas ein letztes Mal im Amt einen gebauten Teil der Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu besichtigen. Unwahrscheinlich bleibt aber, dass Trump der Tradition folgen und eine Abschiedsrede vor seinem Abgang halten wird. Berater haben ihm Redebeiträge über die Entwicklung von Corona-Impfstoffen und seine Bemühungen vorgelegt, die Mittel fürs Militär zu erhöhen. Abgesegnet hat er sie noch nicht.

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Sein Megafon hat er durch sein Verhalten eingebüßt - die sozialen Netzwerke haben ihn mit dem Argument verbannt, seine Rhetorik sei provozierend. Seine Stimme zurückzubekommen, das hat Trump kaum versucht; Telefoninterviews meidet er, Gespräche mit Reportern ebenfalls. Stattdessen hängt er den Schilderungen nach viel mit Beratern und Vertrauten am Hörer; betont dabei, er sei ja der Geschädigte.

Im September - hier in Pittsburgh - war Trump noch siegesgewiss und kampfbereit - am 3. November fuhr er seine Wahlniederlage ein.
 
Foto: AFP/Mandel Ngan

Seit den Weihnachtsferien diktiert er in seinen praktisch ohne öffentliche Veranstaltungen laufenden Terminkalender bizarre Arbeitsnachweise - etwa: „Präsident Trump wird von früh morgens bis zum späten Abend arbeiten. Er wird viele Anrufe tätigen und viele Sitzungen haben.“ Enge Berater sagen, das Gegenteil sei der Fall: Trump habe nach der Wahl quasi aufgehört, Präsident zu sein. Er sei nahezu unfähig, sich auf etwas anderes als seine Niederlage zu konzentrieren. Geheimdienstbriefings hatte er seit Monaten nicht mehr im Terminkalender, wobei Berater sagen, sporadisch habe er daran teilgenommen. Weder öffentlich noch privat unternahm er bedeutende Schritte, um die Pandemie einzudämmen. Nach dem groß angelegten Hackerangriff auf US-Einrichtungen, der Russland zugeschrieben wird, war Trumps Reaktion, vielleicht stecke China dahinter.

Während Trump weiter über seiner Wahlniederlage brütet und stetig Verbündete verliert, liegt es am Kader des Weißen Hauses, seine angeblichen Errungenschaften der vergangenen vier Jahre zu verteidigen. Sprecher Judd Deere betonte jüngst, Trumps Arbeit gehe weiter, um die Wirtschaft wieder aufzubauen und die von ihm gemachten Versprechen zu erfüllen, die zu einem stärkeren und sichereren Amerika geführt hätten. Trump selbst hat dazu in letzter Zeit wenig beigetragen.