Präsident Donald Trump lässt sich von Bodyguards herumkutschieren, winkt seinen wartenden Fans aus dem Auto zu. Foto: AFP/Alex Edelman

Washington - Trotz seiner Corona-Infektion hat US-Präsident Donald Trump (74) kurzzeitig die Klinik verlassen. Bodyguards fuhren ihn in einer Limousine um den Block, damit er seinen Fans zuwinken konnte. Diese Aktion sorgt bei Medizinern für blankes Entsetzen: Er habe das Leben seiner Mitarbeiter gefährdet, die mit ihm im Auto saßen. Sie müssten nun in Quarantäne. Derweil wird mehr über das Event im Weißen Haus bekannt, bei dem sich Trump und andere Gäste infiziert haben könnten – darunter einige Top-Politiker.

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Die Verantwortungslosigkeit des Präsidenten sei „erstaunlich“, twittert der Arzt James P. Phillips. Er arbeitet im Walter-Reed-Militärkrankenhaus, in dem Trump behandelt wird. Mit Blick auf die Spritztour des Corona-Kranken spricht er von politischem Theater: „Jede einzelne Person in dem Fahrzeug während dieser völlig unnötigen präsidentiellen Vorbeifahrt muss jetzt für 14 Tage in Quarantäne. Sie könnten krank werden, sie können sterben.“ Das sei „Wahnsinn“.

Verschlechtert sich Trumps Gesundheit?

Auch der Arzt und Wissenschaftler Eric Topol sagt, es sei „absurd“, dass Trumps Ärzte-Team diesen Rundtrip erlaubt habe. Er denkt dabei vor allem an die Gesundheit des Präsidenten. Man habe bei Corona-Patienten oft einen steilen Absturz sieben bis zehn Tage nach den ersten Symptomen erlebt. Der offiziell verbreitete Optimismus sei verfrüht. Das Weiße Haus hingegen verteidigt die Aktion: Die Auto-Tour sei vom Medizin-Team als sicher eingestuft worden.

Berichten zufolge saß Trump mit zwei Secret-Service-Leuten in dem gepanzerten Auto. Fotos zeigen, dass der Beifahrer ein Plastikvisier über dem Gesicht, eine Atem-Maske und einen medizinischen Schutzanzug trug. Trump hatte nur eine Stoffmaske im Gesicht.

Der US-Präsident meldete sich zudem auf Twitter zurück. Er setzte innerhalb einer Stunde 18 Tweets ab. Mit Blick auf die Wahlen am 3. November schrieb er: „Stärkstes Militär aller Zeiten. Wählen!“

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Senatoren und Ex-Gouverneur infiziert

In Trumps Umfeld werden derweil immer neue Corona-Fälle bekannt. Infiziert sind unter anderem: First Lady Melania, die Senatoren Thom Tillis und Mike Lee, Ex-Gouverneur Chris Christie, Ex-Beraterin Kellyanne Conway und Uni-Präsident John Jenkins. Alle hatten im Rosengarten des Weißen Hauses an einem Event mit mehr als 100 Gästen teilgenommen. Es war die offizielle Vorstellung der Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für das Oberste Gericht. Haben sie sich alle dort angesteckt?

Der US-Staat New Jersey hat wegen einer möglichen Corona-Weiterverbreitung zudem 200 Teilnehmer eines Spenden-Events mit Trump kontaktiert. Sie könnten infiziert sein.