Remdesivir kann die Dauer einer Covid-19-Erkrankung spürbar verkürzen. Foto: imago images / Cadu Rolim

Washington D. C. - Uns doch egal, wie es der Welt geht: Nach einem Bericht der britischen Zeitung Guardian haben die USA mit 500.000 Dosen des Medikamenten-Wirkstoffs Remdesivir gekauft - nahezu die gesamte Produktion der Monate Juli bis September. Das Mittel verkürzt laut einer Studie die Behandlungsdauer von Corona-Erkrankten deutlich. Mit der Aktion bleibt für den Rest der Welt wenig bis nichts.

Die bislang verfügbaren 140.000 Dosen sind nahezu für verschiedene Studien verbraucht. Andere Hersteller als das US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences können bislang nicht zum Zug kommen, weil das  Präparat patentgeschützt ist.

Anlass der Kaperung der Produktion ist die jüngste Explosion von Corona-Infektionen in den USA, die teilweise weit über 40.000 am Tag liegen. Der US-Virologe und Corona-Regierungsberater Anthony Fauci erwartet bis zu 100.000 am Tag: „Ich bin sehr besorgt.“

Bislang haben sich über 2,6 Millionen US-Amerikaner mit dem Virus angesteckt, fast 128.000 sind an der von ihm verursachten Lungenkrankheit Covid-19  gestorben. US-Gesundheitsminister Alex Azar lobte denn auch den Deal, den Präsident Donald Trump abgeschlossen habe: „Wir möchten so weit wie möglich sicherstellen, dass jeder amerikanische Patient, der Remdesivir benötigt, es bekommen kann.“

Gilead Sciences hat seinen Sitz im kalifornischen Foster City Foto: imago images / Terry Schmitt

Am Montag hatte Gilead den Preis für den Wirkstoff für den US-Markt festgelegt. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die US-Regierung etwa 2000 Euro pro Patient kosten, schrieb Gilead-Chef Daniel O'Day. Dieser Nettobetrag sei auch für Deutschland geplant, sagte der Sprecher von Gilead Sciences in Deutschland, Martin Flörkemeier. Derzeit sei Remdesivir als reines Krankenhausprodukt gedacht. Das System sehe keine  Preisunterschiede für gesetzliche und private Kassen vor.

Laut O'Day soll ärmeren Ländern ein Remdesivir-Generikum (identischer Wirkstoff, anderer Markenname) zu niedrigeren Preisen angeboten werden.  

Kürzlich  hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Zulassung für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury unter Auflagen auch in Europa empfohlen. Eine internationale Studie mit über 1000 Teilnehmern hatte im April  gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann - von 15 auf elf Tage. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück.

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen Studien getestet. Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, hatte sich aber als unwirksam erwiesen.