Trump-Kandidat Herschel Walker bei einem Wahlkampfauftritt in Georgia.
Trump-Kandidat Herschel Walker bei einem Wahlkampfauftritt in Georgia. AP/John Bazemore

Er sticht in der reichlich bizarren Welt der US-Politikwelt noch einmal gesondert hervor. Der Trump-Getreue und Ex-Football-Star Herschel Walker erzählte im Wahlkampf voller Begeisterung von einem Vampirfilm. „Ich weiß nicht ob ihr wisst, dass Vampire coole Leute sind“, sagte Walker an seine Zuhörer gerichtet. „Aber lasst mich euch etwas sagen, das ich herausgefunden habe: Ein Werwolf kann einen Vampir töten. Wusstet ihr das? Ich wusste das nicht. Deswegen will ich kein Vampir mehr sein, ich will ein Werwolf sein.“

Walker ist 60 Jahre alt und kandidiert im US-Südstaat Georgia für die Republikaner für den Senat. Am Dienstag tritt der frühere American-Football-Star in der Stichwahl gegen den amtierenden Senator Raphael Warnock von der Demokratischen Partei an. Und er hat im Wahlkampf nicht nur mit Äußerungen zu Vampiren und Werwölfen für Aufsehen und Kopfschütteln gesorgt.

Abtreibungsgegner drängte Frauen zu Abtreibungen

Dem von Ex-Präsident Donald Trump geförderten Kandidaten ist wiederholt vorgeworfen worden, seinen Lebenslauf geschönt zu haben. So hat er in der Vergangenheit fälschlicherweise nahegelegt, als Agent für die Bundespolizei FBI gearbeitet zu haben, und jahrelang mit einem Hochschulabschluss geprahlt, obwohl er sein Studium an der University of Georgia für eine Profi-Karriere als Football-Spieler abgebrochen hatte.

Unter Druck geraten ist der Politik-Neuling auch durch frühere Vorwürfe der häuslichen Gewalt durch seine Ex-Frau. Im Wahlkampf musste er dann einräumen, drei außereheliche Kinder zu haben. Und in den Wochen vor den Kongress-Zwischenwahlen vom 8. November warfen ihm gleich zwei Frauen vor, sie in der Vergangenheit zu Abtreibungen gedrängt zu haben. Dabei gibt sich Walker als erzkonservativer Politiker, dem Familienwerte über alles gehen - und als strikter Abtreibungsgegner.

Der amtierende Senator Raphael Warnock von den Demokraten ist das krasse Gegenteil von Walker.
Der amtierende Senator Raphael Warnock von den Demokraten ist das krasse Gegenteil von Walker. AFP/Getty Images/Alex Wong

Allen Skandalen zum Trotz landete Walker bei den Midterms nur knapp hinter Warnock. Warnoch hingegen ist Pastor und gilt als skandalfrei. Weil beide Kandidaten die in Georgia erforderliche Mehrheit von mehr als 50 Prozent verfehlten, treten sie jetzt in der Stichwahl erneut gegeneinander an.

Herschel Walker ist ein alter Trump-Kumpel

Die Wahl ist wichtig, aber sie wird nicht über die Kontrolle über den Senat entscheiden. Bei den Wahlen vor einem Monat hatten die Demokraten von Präsident Joe Biden sich bereits 50 der 100 Senatssitze gesichert. Weil Vizepräsidentin Kamala Harris als Senatspräsidentin in Pattsituationen mitstimmen darf, haben die Demokraten die Kontrolle über das Oberhaus bereits sicher. Mit einem Sieg Warnocks könnten sie sich ein kleines und willkommenes Polster verschaffen.

Dass die Demokraten ihre Senatsmehrheit trotz der hohen Inflation und schlechter Umfragewerte für Biden verteidigen konnten, liegt auch an umstrittenen Kandidaten, die Trump den Republikanern gewissermaßen aufgedrängt hatte. Walker ist dafür ein Paradebeispiel.

Trump hatte den muskelbepackten Afroamerikaner im Vorwahlkampf der Republikaner unterstützt und ihm damit zur Senatskandidatur verholfen, obwohl schon vorher klar war, dass Walkers Vergangenheit den Demokraten im Wahlkampf Munition liefern würde. Die beiden Männer kennen sich schon seit Jahrzehnten. Der als College-Footballspieler zum Star gewordene Walker spielte als Profi in den 1980er Jahren unter anderem für das Team New Jersey Generals, das damals Trump gehörte.

Trump: „Ich bin nicht schwul, und ich liebe dich, Herschel“

2009 trat der vom Football-Spieler zum Geflügel-Unternehmer mutierte Walker sogar in Trumps Reality-TV-Show „Celebrity Apprentice“ auf, bei der Prominente gegeneinander antreten und Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation gewinnen konnten. Trump „feuerte“ Walker damals mit den Worten: „Ich bin nicht schwul, und ich liebe dich, Herschel. Herschel, du bist gefeuert.“

Die „Liebe“ hielt an - und Trump setzte große politische Hoffnungen in den in Georgia als Sportlegende verehrten Walker. Sollte Walker die Stichwahl am Dienstag gewinnen, wäre das auch ein großer Sieg für Trump. Denn der Rechtspopulist ist bereits in das Präsidentschaftsrennen 2024 eingestiegen - und kann angesichts vieler Negativ-Schlagzeilen jeden politischen Erfolg gut gebrauchen.

Aus dem Wahlkampfendspurt in Georgia hat sich Trump aber auffallend herausgehalten. Berater haben dem Rechtspopulisten klar gemacht, dass er viele moderate Wähler verschrecken und Walker damit letztlich schaden könnte.