Trump angeblich bei der Aktenarbeit im Krankenhaus. Offenbar schreibt er aber nur seinen Namen auf.  
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Washington D. C. - US-Präsident Donald Trump (74) hat die zweite Nacht im Walter Reed-Militärkrankenhaus im Washingtoner Vorort Bethesda verbracht. Am Freitagabend (Ortszeit) war er mit einem Hubschrauber die 14 Kilometer in die Klinik geflogen worden, nachdem er und seine Frau Melania sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Am Sonnabend ließ er eine Video-Botschaft aufnehmen: Es gehe ihm besser. Daran kann man zweifeln.

Denn das Video zeigt einen kurzatmigen Mann, der ankündigt, bald wieder im Einsatz zu sein. Der aber auch zugesteht, dass die nächsten Tage die eigentliche Prüfung sein würden. Zugleich verteidigte Trump, dass er viele öffentliche Auftritte und Wahlkampfreisen absolviert und dabei meist keine Maske getragen hatte. „Ich hatte keine Wahl, ich konnte nicht einfach nur im Weißen Haus bleiben. Als Anführer muss man Probleme angehen.“  Mit Blick auf die Präsidentenwahl am 3. November sagte Trump, er wolle „den Wahlkampf so abschließen, wie er begonnen hat.“ 

Äußerungen der  „vorsichtig optimistischen“ Ärzte („er ist noch nicht über den Berg“) zur Behandlung des Präsidenten lassen bei Fachleuten allerdings Befürchtungen aufkommen. Er bekommt eine Kombination aus den Mitteln Regeneron sowie Remdesivir, das die Vermehrung  von Viren blockiert. Die Gabe von Regeneron, das sich erst in einer frühen Testphase befindet, macht Experten stutzig. „Ich lese daraus, dass es unter seinen  Ärzten ein gewisses Maß an Besorgnis gibt“, sagte Dr. Sanjay Gupta, der das Fernsehnetzwerk CNN berät. Trumps Leibarzt Sean Conley erklärte am Sonntag zurückhaltend, es ginge Trump zwar besser, aber wie bei jeder Krankheit gebe es Höhen und Tiefen.

Trumps Stabschef Mark Meadows hatte am Sonnabend nach einer positiven Schilderung des Zustands des Präsidenten durch seine Ärzte zugestanden, dass es Trump am Freitag gar nicht gut gegangen sei, er Sauerstoff bekam: Vor der Einlieferung sei der Sauerstoffgehalt des Bluts stark gesunken, Trump habe Fieber gehabt. Die Zeitschrift Vanity Fair berichtet von Herzrasen und Todesangst bei Trump.

Das Umfeld Trumps, in dem es unter anderem mit Senatoren, Mitarbeitern und seinem Wahlkampfleiter eine ganze Reihe von Infizierten gibt, demonstriert Durchhaltewillen: „Er wird diesen Virus zu Brei hauen“, sagte  Schwiegertochter Lara. „Und dann wird er am 3. November Biden zu Brei hauen.“ Zunächst soll er aber in der Klinik bleiben, da kritische Tage bevorstünden, sagte der Sicherheitsberater Robert O'Brien.

Welche Gefahren auf  Covid-19-Patienten selbst bei bester Behandlung lauern, zeigt das Beispiel  Boris Johnson. Der britische Premier hatte am 27. März seine Infektion bekannt gegeben, wurde am 5. April ins Krankenhaus gebracht. Am 6. April wurde er auf die Intensivstation verlegt, schwebte tagelang in Lebensgefahr. 

Trump-Unterstützer demonstrieren vor dem Walter Reed-Militärhospital, in dem Trump behandelt wird. Foto: Steven Ramaherison/TheNEWS2 via ZUMA Wire/dpa

Trump befindet sich auf Station 71 des Militärhospitals, das 7000 Mitarbeiter hat. Die Präsidenten-Suite  hat laut New York Post sechs Räume: Das Krankenzimmer mit Schreibtisch, einen Raum für Intensivbehandlung, ein Esszimmer, einen Konferenzraum, ein Wohnzimmer und eine Küche.