Hochstapler George Santos will sein Mandat offenbar behalten.
Hochstapler George Santos will sein Mandat offenbar behalten. AFP/Wade Vandervort

Er war der Mann mit der Traumkarriere. Universität, Wall Street und jetzt die Politik. Der US-Republikaner George Santos (34) inszenierte sich im Wahlkampf als DER Aufsteiger. Jetzt fiel seine angebliche Erfolgsgeschichte wie ein Kartenhaus zusammen. Santos hat gelogen und betrogen. Zurücktreten will er deshalb aber nicht.  

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Er schien ein völlig neuer  Typ für die Republikanische Partei in den USA zu sein: Nur 34 Jahre jung, ein Trump-Fanboy zwar, aber eben nicht weiß, sondern brasilianischer Abstammung, dazu offen homosexuell, jüdisch, charismatisch und wahnsinnig erfolgreich. Ein Karriere-Typ, der unabhängig von Parteispenden ist und angeblich nebenbei ein Tierheim finanziert.

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Santos: Lebenslauf zum Teil frei erfunden

Mit dieser Geschichte zog Santos in den Wahlkampf - und gewann mit acht Punkten Vorsprung einen Sitz im US-Kongress. Der Haken: Am Lebenslauf von Santos stimmte offenbar nicht viel. Böse Zungen nennen ihn einen Hochstapler. Wenige Wochen nach der Wahl musste der Republikaner jetzt zugeben, dass er Teile seiner öffentlichen Geschichte erfunden hat.

Das tat er nicht freiwillig. Zuvor hatten mehrere US-Medien über Ungereimtheiten in der Vita des Politikers berichtet.

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Gewann die Wahl mit ausgedachtem Lebenslauf: George Santos
Gewann die Wahl mit ausgedachtem Lebenslauf: George Santos AP/John Locher

Er nannte sich selbst „Verkörperung des amerikanischen Traums“

Mit seinem Sieg in Long Island im November half Santos seiner Partei, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu sichern. Seine schlichte Wahlkampfstrategie hatte funktioniert. Immer wieder nannte er sich selbst einen Aufsteiger und die „Verkörperung des amerikanischen Traums“. Seinem Lebenslauf waren ein College-Abschluss und Jobs bei den Investmentbanken Citigroup und Goldman Sachs zu entnehmen. Nach aktuellen Recherchen steht nun fest: Diese Stationen hat Santos alle erfunden. 

Bereits vor Weihnachten hatte die New York Times berichtet, dass den Reportern das erwähnte Baruch College in New York einen Abschluss von Santos nicht bestätigt konnten. Auch die angeblichen früheren Arbeitgeber wussten nichts von einer Beschäftigung von Santos in ihren Unternehmen. Alles gelogen. 

Santos schwieg über Tage.. Jetzt äußerte er sich. „Meine Sünden hier sind, meinen Lebenslauf ausgeschmückt zu haben“, räumte er gegenüber der New York Post ein. „Es tut mir leid.“ Santos musste eingestehen, dass er keinen höheren Bildungsabschluss habe. Das sei ihm peinlich, sagte er. „Wir machen dumme Sachen im Leben.“

Auch Immobilienbesitz war komplett erfunden

In Bezug auf seine  angebliche Karriere an der Wall Street sprach er von einem Missverständnis. Er habe „nie direkt“ für eine der beiden Unternehmen gearbeitet. Er habe da wohl die falschen Worte gewählt. 

Gesichert ist nach den Recherchen der amerikanischen Journalisten, dass Santos zeitweise für einen Stundenlohn von 15 Dollar in einem Callcenter jobbte. Auch sein Immobilienbesitz (13 Häuser u.a. in Brasilien und New York) ist offenbar komplett und frei erfunden. Wahr ist nach Recherchen der New York Times, dass Santos und seine Mutter wegen Mietschulden mehrfach aus ihren Wohnungen geworfen wurden.

Auch jüdischen Glauben ist Santos nicht. Auf seiner Wahlkampf-Website hatte gestanden, dass seine Großeltern „vor der Judenverfolgung in der Ukraine geflohen sind, sich in Belgien niedergelassen haben und während des Zweiten Weltkriegs erneut vor Verfolgung geflohen sind“.

„Ich habe nie behauptet, Jude zu sein“

Das jüdisch-amerikanische Portal „The Forward“ hatte sich in der Folge öffentlich darüber gewundert, dass Santos den Eindruck erweckte, er sei Jude. Dazu erklärte der 34-Jährige jetzt: „Ich habe nie behauptet, Jude zu sein.“ Natürlich sei er katholisch. „Weil ich erfuhr, dass meine Familie mütterlicherseits einen jüdischen Hintergrund hat, sagte ich, ich sei jüdisch.“ Aha. 

Obwohl er diverser Lügen überführt wurde, sieht Santos offenbar keinen Grund, sein Mandat zurückzugeben. Von Rücktritt sprach er bisher kein Wort. Die Zeiten, in denen der 34-Jährige als DER junge Hoffnungsträger der Republikaner galt, sind aber wohl vorbei.