Häuser in Berlin-Mitte vom Fernsehturm aus gesehen. Foto:  dpa/Christoph Soeder

Endet mit Corona der lange Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen in Deutschland? Das haben manche Menschen gehofft, die eine Immobilie suchen. Doch neue Zahlen zeigen, dass der Boom ungebrochen ist.

Häuser und Wohnungen in Deutschland sind in der Corona-Krise noch deutlich teurer geworden als zunächst angenommen – sowohl in Städten als auch auf dem Land. Durchschnittlich lagen die Preise für Wohnimmobilien im zweiten Quartal um 6,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Preise für Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser demnach um zwei Prozent.

Boom setzt sich nahtlos fort

Damit zeigt sich, dass die Corona-Krise dem Immobilien-Boom hierzulande bisher nichts anhaben konnte – trotz einbrechender Wirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Rekordausmaß. Manche Ökonomen hatten zumindest mit einer Preisdelle gerechnet, da die Pandemie der deutschen Wirtschaft einen historischen Einbruch bescherte und die Einkommen vieler Menschen belastet. Auch war der Wohnungsmarkt im Lockdown eingefroren: Die Zahl der Wohnungsanzeigen brach zeitweise um bis zu 40 Prozent ein.

Die Preisaufschläge im zweiten Quartal fallen nun sogar höher aus als in einer ersten Schätzung vor vier Wochen veranschlagt. Damals waren die Wiesbadener Statistiker von 5,6 Prozent Plus zum Vorjahresquartal und 1,4 Prozent Steigerung zum Vorquartal ausgegangen. Zu Jahresbeginn, als die Pandemie noch nicht in Deutschland wütete, waren die Immobilienpreise ähnlich stark gewachsen wie nun berechnet.

Verfehlte Wohnungspolitik

Die Opposition sieht in den Zahlen einen Beleg für eine verfehlte Wohnungspolitik der Bundesregierung. „Günstiger Wohnungsbau ist kaum noch möglich, hohe Bodenpreise tragen gerade in wachsenden Regionen und großen Städten zu steigenden Kosten für den Wohnungsbau und -kauf bei“, monierte Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen im Bundestag. Er forderte eine „neue und aktive Bodenpolitik“ für bezahlbaren Wohnraum. Mit einem gemeinnützigen Bundesbodenfonds müsse der Bund Kommunen in die Lage versetzen, öffentliche Räume und die Nutzung von Boden im Sinne des Gemeinwohls zu stärken.