Frauen stecken in der Geburtskirche Kerzen an. Foto: AFP/Hazem Bader

Vor Weihnachten steht in der Geburtskirche in Bethlehem eine langjährige Restaurierung kurz vor dem Abschluss: Die riesige hölzerne Ikonenwand, geschwärzt von Millionen Kerzen der Pilger, soll wieder in ihrem goldglänzenden Originalzustand erstrahlen. Bewundern werden sie allerdings wohl zunächst nur wenige Besucher. Denn zu den Feiertagen werden in diesem Jahr kaum Gäste an dem Ort erwartet, der Christen als Geburtsstätte Jesu gilt.

Das biblische Bethlehem leidet seit fast zwei Jahren stark unter den Folgen der Corona-Krise. In der Weihnachtszeit herrscht in der Stadt im israelisch besetzten Westjordanland normalerweise Hochsaison. Vor der Pandemie hatten jedes Jahr Tausende Pilger und Urlauber aus der ganzen Welt in der Geburtskirche und auf dem angrenzenden Krippenplatz gefeiert.

Die Ikonenwand der Geburtskirche in Bethlehem. Aktuell ist sie hinter einer Bauplane versteckt. Wikipedia, Zairon, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Israel hat zwar in diesem Monat seine Grenze für geimpfte Touristen geöffnet, aber in Bethlehem werden nur relativ wenige und längst nicht so viele wie im Rekordjahr vor Corona erwartet. Die meisten Bethlehem-Besucher fliegen nach Israel, da es im Westjordanland keinen Flughafen gibt.

Viele Hotels der Stadt haben geschlossen, Einzelhändler halten sich nur mühevoll über Wasser. Aladdin Subuh öffnet die Tür seines Souvenirgeschäfts am Krippenplatz nur, um zu lüften. „Es ist fast Weihnachten, und niemand ist da. Das muss man sich einmal vorstellen. Seit zwei Jahren keine Geschäfte. Das ist wie ein langsamer Tod.“

Die Zahl der Besucher lag zuletzt bei weniger als 10 Prozent

Zwar hat die Pandemie die Tourismusbranche für Israelis und Palästinenser gleichermaßen beschädigt. Aber für das von Besuchern abhängige Bethlehem waren die Auswirkungen besonders drastisch. Israel, das wichtigste Tor für ausländische Urlauber, hatte in den vergangenen anderthalb Jahren die meisten Einreisen aus dem Ausland verboten. Auch seit der Wiedereröffnung kamen in der ersten Novemberhälfte nach Angaben des Innenministeriums nur etwas mehr als 30.000 Touristen ins Land. Im November 2019 waren es 421.000 gewesen.

Mit Corona-Hilfen der palästinensischen Autonomiebehörde konnte die Wirtschaft im Westjordanland kaum rechnen. Hoteliers, Reiseveranstalter und -leiter erhielten lediglich Steuerbefreiungen und Schulungsprogramme, wie Madsched Ischak, Marketingdirektor im palästinensischen Tourismusministerium, erklärt.

Der Weihnachtsbaum neben der Geburtskirche in Bethlehem ist ein mit Grün bedecktes Stahlgerüst. Foto: AFP/Hazem Bader

Sein Ministerium versuche, arabische Israelis in der Weihnachtszeit zu Reisen nach Bethlehem und in andere Städte des Westjordanlands zu ermuntern. Er hoffe darauf, dass die Zahl der ausländischen Besucher zehn bis 20 Prozent des Niveaus vor der Pandemie erreichen werde, sagte Ischak.

Andere sind nicht so optimistisch. „Ich glaube nicht, dass der Tourismus bald wieder anlaufen wird“, sagt Fadi Kattan, ein palästinensischer Koch und Hotelinhaber aus der Altstadt von Bethlehem. Er musste aufgrund der Pandemie im März 2020 sein Gästehaus schließen und im Laufe der Zeit seine Mitarbeiter entlassen.

An dieser Stelle in einer als Stall genutzten Grotte unter der Geburtskirche soll Jesus Christus geboren sein. Foto: imago/photothek.net/Thomas Köhler 

Vor Weihnachten wieder zu öffnen, sei für ihn weder finanziell noch praktisch machbar, vor allem angesichts der neuen Welle von Corona-Infektionen in Europa, sagt Kattan. Es werde Jahre dauern, bis sich die Wirtschaft von Bethlehem von der Krise erholt habe – von Hotels und Restaurants bis zu Bauernhöfen, Lebensmittelläden und Reinigungen.  

Zuletzt war in der Geburtskirche nur eine einsame Gruppe von italienischen Touristen zu sehen. Hinter dem Krippenplatz hängten städtische Arbeiter die erste Weihnachtsbeleuchtung auf. In den Jahren vor Covid-19 hatten sich vor der Basilika aus dem sechsten Jahrhundert stets lange Warteschlangen gebildet.

Geburtskirche wurde für viel Geld restauriert

Die Kirche wurde seit 2013 für mehrere Millionen Dollar restauriert. Goldgeflieste Mosaike und Marmorböden erhielten ihren einstigen Glanz zurück. Auch einige größere strukturelle Reparaturen wurden an der Unesco-Welterbestätte vorgenommen. Ein Vorgängerbau war hier schon im 4. Jahrhundert errichtet worden, der jetzige Bau soll aus dem 5. Jahrhundert stammen. 

Heiligabend 2020 gab es manchmal noch Gedränge auf dem Weg zur Geburtskirche. Foto: imago/Abedalrahmen Hassan

Weitere Arbeiten stehen noch aus, wie Masen Karam erklärt, Direktor der Bethlehem-Entwicklungsstiftung. Dazu gehörten die Sanierung der Bodenfliesen sowie der Einbau eines Brandschutzsystems und einer Klimaanlage, sagt er. Zu den bisherigen Kosten von 17 Millionen Dollar kämen dafür noch weitere zwei Millionen Dollar hinzu.

Für die Restaurierung der Ikonenwand aus dem späten 18. Jahrhundert ist indes die Griechisch-Orthodoxe Kirche verantwortlich. Die Arbeiten an der Holzwand, die den Altarraum vom Kirchenschiff trennt, stehen nach drei Jahren jetzt aber kurz vor dem Abschluss.

Issa Thaldschieh, griechisch-orthodoxer Pater in der Geburtskirche, blickt der Weihnachtszeit optimistisch entgegen. „Gott sei Dank sehen wir jeden Tag ein paar mehr Gruppen in Bethlehem, sie bleiben zwar nicht über Nacht, aber es ist ein gutes Zeichen“, sagt er. „Ohne Touristen und Besucher ist Bethlehem nichts.“