Justin Diamond, die Verlobte von George Floyd, weint nach der Gedenkfeier, hält sich am Arm einer Frau fest.   Foto: Julio Cortez AP/dpa

Neun Minuten – so lange stand die Gemeinde am Ende der Trauerfeier für George Floyd stumm da. So lange, wie ein Polizist am Montag vergangener Woche auf dem Nacken des 46-Jährigen gekniet und ihn so getötet hatte. Beigesetzt werden soll er am Dienstag in Houston (Texas), wo er aufgewachsen war. Bei dem Gedenken in Minneapolis, wo der fünffache Vater und Großvater eines Enkels gelebt hatte, sagte sein Bruder Philosine: „Alle wollen Gerechtigkeit für George, wir wollen Gerechtigkeit für George, er wird sie bekommen. Ich habe meinen Bruder geliebt.“

Philonise Floyd spricht am Sarg seines Bruders George. Daneben steht ein Porträt des Toten. Julio Cortez AP/dpa

Benjamin Crump, der Anwalt der Familie, erklärte, Floyd sei infolge der systematischen Diskriminierung Schwarzer gestorben, „mit der wir in Amerika allzu vertraut sind“. Er forderte die Menschen auf, weiter friedlich zu demonstrieren, um Gerechtigkeit für Floyd zu erreichen und Veränderungen einzufordern. 

Tatsächlich gingen die Demonstrationen gegen Rassismus, Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit weiter. In  Washington, Minneapolis, Atlanta und Los Angeles protestierten jeweils Hunderte auf den Straßen. In New York waren es Tausende Demonstranten.  

Vor dem Weißen Haus in Washington wurden die Sicherheitsmaßnahmen angesichts der anhaltenden Proteste nochmals verstärkt. Dort waren Hunderte Nationalgardisten und andere Sicherheitskräfte aufmarschiert. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, forderte von Präsident Donald Trump daher Aufklärung über die „zunehmende Militarisierung“ der Einsätze bei den friedlichen Protesten.

Polizisten, teilweise zu Pferde, räumen Donald Trump den Weg zur Kirche frei. Die Pferde haben Visiere umgeschnallt bekommen. Alex Brandon AP

Trump sieht sich auch einer Anzeige ausgesetzt: Am Montag hatte er sich den Weg vom Weißen Haus zu einer Kirche von der Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas räumen lassen, damit er vor dem Gotteshaus mit einer Bibel für Fotos posieren konnte. Ein Sprecher der Bürgerrechtsorganisation ACLU, die die Klage eingereicht hat: „Der beschämende, verfassungswidrige, unprovozierte und offen gesagt kriminelle Angriff des Präsidenten auf Demonstranten, weil er mit deren Ansichten nicht einverstanden war, erschüttert die Grundlage der verfassungsmäßigen Ordnung unserer Nation.“