Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf ist tot. dpa/Roland Weihrauch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte ihn als einen „herausragenden politischen Kopf“, für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) war er „ein Symbol der inneren Einheit“. Bundesweit trauern Politiker um Kurt Biedenkopf.

Am Donnerstagabend sei der frühere sächsische Ministerpräsident im Alter von 91 Jahren im Kreis seiner Familie in Dresden friedlich eingeschlafen, teilte die Staatskanzlei gestern mit. Der CDU-Politiker machte Karriere in beiden Teilen Deutschlands und führte Sachsen von 1990 bis 2002 als Regierungschef.

Kurt Biedenkopf avancierte in den 70er Jahren zum Rivalen von Ex-Kanzler Helmut Kohl. imago/photothek

Biedenkopf war am 28. Januar 1930 in Ludwigshafen zur Welt gekommen. 1973 wurde der Rechtsprofessor auf Vorschlag des damaligen Parteichefs Helmut Kohl Generalsekretär der CDU, avancierte später bis zum Zerwürfnis mit Kohl zu dessen gefährlichstem Rivalen. In den 1980er Jahren machte Biedenkopf nur noch bei der CDU in NRW von sich reden, seine politische Laufbahn war im Grunde zu Ende. Doch die Wende in der DDR eröffnete ihm die Chance für ein Comeback.

Sachsen nannten ihn „König Kurt“

Der CDU-Politiker Lothar Späth überredete ihn, in den Osten zu gehen und sich in Sachsen um das Amt des Ministerpräsidenten zu bewerben. Biedenkopf gab als Grund später an, er habe gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingrid dem Land dienen wollen. Sachsen erlebte unter seiner Führung in den 1990er Jahren eine Gründerzeit. Drei Mal beschaffte er der Union im Freistaat bei Landtagswahlen eine absolute Mehrheit. Die Sachsen nannten ihn „König Kurt“.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU, r.) wird von Kurt Biedenkopfs Ehefrau Ingrid umarmt. dpa/Robert Michael

Ehefrau Ingrid übernahm die Rolle der Landesmutter, wurde zur Mitregentin. Legendär ist ihr Ausspruch „Seit wir Ministerpräsident sind ...“. Ingrid Biedenkopf wurde zu einer Art Kummerkasten der Bevölkerung. Viele wandten sich persönlich an sie, wenn sie etwa eine Wohnung brauchten oder der Telefonanschluss zu lange auf sich warten ließ.

Das Ende von Biedenkopfs Amtszeit war allerdings weniger rühmlich. Affären wie die um Rabattkäufe beim Möbelhaus Ikea beschleunigten seinen Fall. Schon zuvor war der Konflikt um seine Nachfolge offen ausgebrochen. Letztlich unterlag Biedenkopf in einem parteiinternen Machtkampf seinem früheren Finanzminister Georg Milbradt.

Im April 2002 schied Biedenkopf im Alter von 72 Jahren aus dem Amt. Dennoch blieb er in der Sachsen-CDU präsent – vor allem, wenn es mal nicht so lief in der Partei. Er arbeitete später wieder als Rechtsanwalt und publizierte. Auch der Politik blieb er verbunden, etwa als Ombudsrat für Hartz-IV-Beschwerden.

Seinem Nachfolger Michael Kretschmer (CDU) bleibt Biedenkopf als „begnadeter Redner und Erklärer der Weltlage“ in Erinnerung: „Wir alle haben einen großartigen Menschen verloren.“