Esther Bejarano blieb bis zuletzt eine Mahnerin gegen rechts. dpa/Axel Heimken

Sie überlebte den Holocaust, weil sie im Mädchenorchester von Auschwitz spielte. Jetzt ist Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren in ihrer Wahlheimat Hamburg gestorben. Das bestätigte Helga Obens vom Vorstand des Auschwitz Komitees am Sonnabend der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei am frühen Morgen friedlich im Israelitischen Krankenhaus eingeschlafen. „Sie hat nicht gelitten“, sagte Bejaranos enge Freundin weiter. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Außenminister Heiko Maas würdigte Bejarano am Sonnabend auf Twitter als „wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus“. In seinem Post schrieb er weiter: „Die wundervolle Ester Bejarano überzeugte mit ihrer Lebenskraft und unglaublichen Geschichte. Ihre Stimme wird uns fehlen.“

Jahrzehntelanges Engagement gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit

Bejarano engagierte sich Jahrzehnte lang gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Zusammen mit ihrem Sohn Joram und ihrer Tochter Edna sang sie jüdische und antifaschistische Lieder, zuletzt tourten sie mit der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia durch Deutschland.

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Geboren wurde Esther Bejarano am 15. Dezember 1924 in Saarlouis als Tochter eines jüdischen Oberkantors. Ihre Eltern wurden 1941 von den Nazis in Litauen umgebracht, sie selbst musste in einem Lager Zwangsarbeit leisten, bevor sie Anfang 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Dort überlebte sie nur, weil sie im Mädchenorchester des Lagers Akkordeon spielte. Nach dem Krieg wanderte die junge Frau nach Israel aus, kehrte 1960 jedoch mit ihrem Ehemann nach Deutschland zurück.

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Zusammen mit Tochter Edna und Sohn Joram gründete Esther Bejarano Anfang der 1980er-Jahre die Gruppe Coincidence mit Liedern aus dem Getto und jüdischen sowie antifaschistischen Liedern. Für ihr künstlerisches Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Biermann-Ratjen-Medaille der Stadt Hamburg, die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und das Bundesverdienstkreuz.