Bei Hildegard Knefs „Für mich soll's rote Rosen regnen“ standen Angela Merkel Tränen der Rührung in den Augen. ZDF

Als die Kapelle Hildegard Knefs „Für mich soll's rote Rosen regnen“ spielte, glitzerten beim Großen Zapfenstreich für Angela Merkel Tränen der Rührung in den Augenwinkeln. Schon zuvor hatte sie leicht feuchte Augen, als das Stabsmusikkorps der Bundeswehr schmissig „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen spielte, die Mundwinkel zuckten ein wenig und ganz leicht bewegte die Kanzlerin manchmal den Kopf im Takt des DDR-Erfolgshits der Punk-Ikone hin und her. Abschiedsschmerz wehte mit dem kalten Wind durch den Hof des Berliner Bendlerblocks bei der Zeremonie der Bundeswehr für die Regierungschefin nach 16 Jahren Amtszeit.

In schwarzem Mantel mit schwarzen Handschuhen lauschte Merkel der Kapelle auf einem roten Podest, links von ihr Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, zur Rechten Generalinspekteur Eberhard Zorn, der ranghöchste Soldat der Bundeswehr.

Am Ende der Verabschiedungs-Zeremonie nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel eine rote Rose mit.  dpa/Michael Kappeler

Ganz Staatsfrau rief Merkel in ihrer Rede zur Verteidigung der Demokratie gegen Hass, Gewalt und Falschinformationen auf. Bevor sie dann im Rückblick auf ihre Amtszeit mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, der Flüchtlingskrise 2015 und der Corona-Pandemie ganz persönlich wird: „Die 16 Jahre als Bundeskanzlerin waren ereignisreiche und oft sehr herausfordernde Jahre. Sie haben mich politisch und menschlich gefordert. Und zugleich haben sie mich immer auch erfüllt.“

Die Zeremonie ist die höchste Würdigung der Streitkräfte und vor allem Bundespräsidenten, Kanzlern und Verteidigungsministern vorbehalten. Doch im Fall von Merkel lief selbst die nicht ganz ohne Pannen ab.

Ausgerechnet als die Kapelle die Nationalhymne anstimmt, ist bei der Live-Übertragung im ZDF nicht nur das Bundeswehr-Korps zu hören, sondern auch das Mikrofon von Moderatorin Bettina Schausten zugeschaltet, die sich eilig bei ihrem Team erkundigte: „‚Wolfgang, wie lange haben wir denn Zeit ...?‘“ Etliche Zuschauer brachte diese Panne auf die Palme. „Ein Unding der ZDF-Moderatorin, während der Nationalhymne zu quatschen“, empörte sich ein Twitter-Nutzer. „Testet ihr eure Technik nicht? Guckt da keiner live mit, der intervenieren kann?“, ätzte ein anderer. „Hallo ZDF, stellt doch wenigstens bei der Nationalhymne die Mikros ab. Auch das Flüstern nervt ...“

Grund genug für das ZDF, die Panne zu erklären und sich zu entschuldigen: „Kleine Erklärung dazu“, twittert der Sender. „Wolfgang saß im Ü-Wagen und war der ‚Mann auf dem Ohr‘ von Bettina Schausten. Dass die Rückfrage der Moderatorin im ZDF zu hören war, bitten wir zu entschuldigen. War natürlich nicht beabsichtigt.“