Teneriffa: Touristen mit Mundschutz holen ihr Gepäck aus einem Bus des Tourismuskonzerns Tui. Foto: dpa/Arturo Jimenez

Hannover - Der weltgrößte Reise-Anbieter Tui ist schwer angeschlagen: Er musste bereits Milliarden-Staatskredite in Anspruch nehmen. Ähnlich wie bei der Krisen-Airline Lufthansa könnte der Staat demnächst auch Anteile des Konzerns übernehmen. Nun heißt es, dass die klamme Tui wieder Pauschalreisen auf die Kanaren anbieten will – trotz bestehender Reisewarnung. Ist das nicht ein bisschen leichtsinnig?

Urlaub in Corona-Zeiten birgt Gefahren: Das weiß man bei der Tui selbst. Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 6“ der Reederei Tui Cruises legte am frühen Dienstagmorgen mit mehreren vermeintlich Corona-Infizierten an Bord in der griechischen Hafenstadt Piräus an. Offenbar alles nur ein Fehlalarm – aber so schnell kann es gehen.

Der Kunde soll die Wahl haben

Nun will die Tui trotz Reisewarnung der Bundesregierung ab 3. Oktober wieder Pauschalreisen auf die Kanaren anbieten. Ist es die ökonomische Not, die den Konzern treibt? „Wir wollen dem Gast die Wahl geben, ob er die Reise antreten oder kostenlos stornieren oder umbuchen möchte“, sagt ein Tui- Sprecher. „Wir machen es, weil es auch von den Kunden gewünscht wurde.“

Seit der Reisewarnung für ganz Spanien hatte Tui die Flüge auf die Kanarischen Inseln zunächst stark reduziert, Pauschalreisen wurden abgesagt. Flüge aber waren über Tui weiterhin möglich, so der Sprecher. Dass bald wieder Pauschalreisen stattfinden, liege auch an den anstehenden Schulferien. „Unser Ansatz war, eine Lösung für die Herbstferien zu schaffen – für die Gäste, die auch weiterhin auf die Kanaren möchten.“ Der Flugplan werde je nach Bedarf ausgebaut.

Wer sich an die Regeln hält, sei geschützt

Der Reise-Konzern sieht für umsichtige Urlauber, die trotz Reisewarnung auf die zu Spanien gehörende Inselgruppe im Atlantik fliegen, kein besonderes Risiko. „Alle Auswertungen und Zahlen zeigen, dass der Pauschalreisende, der sich an die Regeln hält, überhaupt nicht gefährdet ist“, heißt es. Tui-Reisende seien zudem versichert, falls Corona-Test, Quarantäne oder eine Corona-Behandlung nötig werden sollten.

Der Deutschland-Chef des Tourismus-Konzerns, Marek Andryszak, erwartet, dass viele Kunden genau abwägen, ob sie in ein Risikogebiet reisen oder nicht. „Aber durch die Möglichkeit, sich testen zu lassen, glaube ich schon, dass viele Kunden ihren Urlaub trotz Reisewarnung antreten werden“, sagt er. Mit der Entscheidung stelle sich das Unternehmen nicht gegen die Bundesregierung.

Auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 6“ der Reederei Tui Cruises gab es Corona-Alarm. Foto: dpa/Socrates Baltagiannis

Infektion, Quarantäne und Corona-Test

Die Regierung weist Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 besteht, als Risikogebiete aus. Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und dann so lange in Quarantäne bleiben, bis das Testergebnis da ist. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine abschreckende Wirkung für touristische Reisen haben. Den Urlaubern ermöglicht sie, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Auf den Kanaren wie auch in ganz Spanien gilt eine strenge Maskenpflicht. Auch im Freien sind Mund und Nase zu bedecken – selbst dann, wenn der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann. Verstöße gegen diese Anordnung werden mit bis zu 100 Euro bestraft. Auf Gran Canaria, Teneriffa, Fuerteventura und La Gomera sind in den nächsten sieben bis 15 Tagen Versammlungen von mehr als zehn Personen untersagt.

Leise Hoffnung auf den Kanaren

Gleichwohl sorgt die Tui-Initiative auf den Kanaren für etwas Hoffnung: Der Tourismus ist für die Inseln überlebenswichtig. Experten warnen, die Arbeitslosenrate könne von zuletzt gut 21 Prozent auf 40 Prozent hochschnellen, wenn die Urlauber weiterhin wegbleiben.