Ein Farmer läuft über eine abgebrannte Fläche im Amazonas-Regenwald. Landbesitzer, Spekulanten und Bauern legen absichtlich Feuer, dehnen so illegal ihre Flächen aus. Foto: Carl de Souza/AFP

Sie starben, weil sie sich Bergbaufirmen, Energiekonzernen oder Agrarunternehmen entgegenstellten: 212 Aktivisten wurden im vergangenen Jahr wegen ihres Einsatzes für den Umweltschutz getötet, so eine Studie der Nichtregierungsorganisation Global Witness. Damit mussten so viele Aktivisten wie noch nie ihren Kampf um den Erhalt der Natur mit dem Leben bezahlen. 

Durchschnittlich geschehen weltweit mehr als vier Morde pro Woche. Die meisten wurden in Kolumbien (64), auf den Philippinen (43) und in Brasilien (24) verübt. Mehr als zwei Drittel aller Fälle registrierte Global Witness in Lateinamerika. Aber auch im EU-Land Rumänien wurden 2019 zwei Umweltaktivisten getötet. Doch die tatsächliche Zahl der weltweiten Todesopfer liegt wohl noch deutlich höher, weil viele Fälle vertuscht oder nicht angezeigt werden.

Kriminelle Banden holzen große Waldflächen in Brasilien ab. Die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro schaut tatenlos zu. Foto. Andre Penner/AP

Zudem werden Umweltschützer in vielen Ländern wegen ihrer Proteste gegen Abholzung, Wasserkraftwerke und Großfarmen immer wieder bedroht, verleumdet und vor Gericht gebracht. Hinter den Gewalttaten stecken laut Global Witness meist Unternehmen, Farmer und teilweise auch staatliche Akteure sowie kriminelle Banden, Wilderer, paramilitärische Gruppen und Rebellen. „Landwirtschaft, Öl, Gas und Bergbau sorgen für die Gewalt gegen Umweltschützer – das sind genau die Industrien, die durch Abholzung und Emissionen auch den Klimawandel befeuern“, sagt Rachel Cox von Global Witness. „Viele der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen haben mit der Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen sowie Korruption in Politik und Wirtschaft zu tun. Umweltschützer sind jene, die dagegen aufstehen.“

Die Witwe des ermordeten Umweltaktivisten Francisco Martinez Marquez in Honduras. Seine zerstückelte Leiche wurde im Januar 2015 gefunden.  Foto: Giles Clarke/Global Witness/dpa

Im äußersten Nordosten Kolumbiens kämpft Angelicá Ortiz bereits seit Jahren gegen die Umweltschäden durch die Kohlemine El Cerrejón. Der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas erstreckt sich im Department La Guajira auf rund 690 Quadratkilometern und produzierte zuletzt mehr als 25 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr.

Eine Abbildung mit der Umweltschützerin Angelica Ortiz – seit Jahren kämpft sie im Nordwesten von Kolumbien gegen die Umweltschäden durch die Kohlemine El Cerrejon. Foto: Benjamin Wachenje/Global Witness/dpa

„Unsere Wasserquellen versiegen, die Luft und das Wasser sind mit Schwermetallen belastet, die Menschen werden krank“, sagt Ortiz. Ihr Volk der Wayúu lebt in der Halbwüste von Guajira vor allem von der Viehzucht. „Wir kämpfen für unser Land, unsere Rechte und ein gesundes Umfeld“, sagt Ortiz.

Auch Deutschland importiert Kohle aus Kolumbien. Mit 2,1 Millionen Tonnen war das südamerikanische Land im vergangenen Jahr viertgrößter Lieferant für deutsche Kraftwerke. Dennoch sieht Umweltschützerin Ortiz die Stromkonsumenten in Deutschland in der Verantwortung. „Sie sollten wissen, was hier passiert, damit sie es hell und warm haben“, sagt sie. „Hier müssen ganze Dörfer weichen.“ 

Blick über den riesigen Tagebau Cerrejon in Nord-Kolumbien. Der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas erstreckt sich auf rund 690 Quadratkilometern und produzierte zuletzt über 25 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Foto: picture alliance/Georg Ismar/dpa

Ortiz und ihre Mitstreiterinnen vom Frauenverband der Wayúu werden wegen ihres Engagements immer wieder bedroht und eingeschüchtert. Zuletzt tauchte Ortiz’ Name auf einem Flugblatt mit dem Titel „Tod für alle – Soziale Säuberung“ auf, das in La Guajira kursierte. „Es reicht, ihr Ratten. Bald werden wir einen nach dem anderen ausmerzen. Ihr habt 48 Stunden, um das Department zu verlassen“, hieß es dort. Ortiz aber bleibt – die Angst auch.