Das 2021 abgebrannte Herrenhaus des früheren Ritterguts Guthmannshausen Wikswat/Creative Commons/Wikipedia

Linksradikale Splittergruppen, die ihre Gegner gezielt attackieren und sogar deren Tod in Kauf nehmen: Der Generalbundesanwalt ermittelt zu einer Serie mutmaßlich linksextrem motivierter Anschläge auf Immobilien der rechtsextremen Szene. Wie AFP am Freitag aus informierten Kreisen erfuhr, läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Brandstiftung. Zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Es geht um mehrere Brandanschläge im April und Mai in Thüringen. Ziel der Anschläge waren laut „Spiegel“ unter anderem ein für Rechtsrockkonzerte genutztes Gebäude in Ronneburg, ein Szenetreffpunkt in Sonneberg, das für rechtsextreme Tagungen bekannte Rittergut in Guthmannshausen (Buttstädt) und ein von rechten Kampfsportlern besuchtes Fitnessstudio in Schmölln. Der bislang letzte Brandanschlag ereignete sich Ende Mai und richtete sich gegen eine von einem Neonazi betriebene Gaststätte in Kloster Veßra.

Linke Splittergruppen attackieren gezielt politische Gegner: Tod der Opfer wird in Kauf genommen

„Im Linksextremismus ist eine neue Qualität der gewalttätigen Übergriffe zu beobachten“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, dem Magazin. Es seien mehrere Kleingruppen entstanden, die sich vom Rest der Szene abgeschottet und gezielt politischen Gegner angegriffen hätten. „Hemmschwellen sind gefallen, und teilweise wird der Tod der Opfer billigend in Kauf genommen“, sagte Haldenwang.

Am Mittwoch beginnt vor dem Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen vier mutmaßliche Linksextremisten. Sie sollen laut Anklage des Generalbundesanwalts Angehörige der rechten Szene überfallen und zum Teil erheblich verletzt haben. Der Hauptbeschuldigten Lina E. und drei mitangeklagten Männern werden unter anderem Mitgliedschaft in einer linksextremistischen kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.