Michael Spreng als Gast bei einer Talkwhow. Foto: Imago Images/teutopress

Der letzte Eintrag in seinem „Sprengsatz“, den er als „Das Politik-Blog aus Berlin“ verstand, datiert auf den 25. Februar 2020. In ihm beschäftigte sich der Politikberater und Journalist Michael H. Spreng, der lange Jahre Chefredakteur der bei Axel Springer erscheinenden „Bild am Sonntag“ (BamS) war, unter der Überschrift „Kontinuität oder (Auf)Bruch“ mit den drei Kandidaten für den Vorsitz der CDU – strenggenommen aber nur mit Armin Laschet und Friedrich Merz, denn den Kandidaten Norbert Röttgen nahm er nicht so ganz ernst. Sprengs Fazit damals: „Das Rennen ist völlig offen.“

Politik war die Passion des in Darmstadt geborenen Journalisten, weshalb er nach seiner Zeit bei der BamS die Seiten wechselte und Politikberater wurde. 2002 war Spreng Wahlkampfleiter des Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). Und 2004 stellte er sich im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf in den Dienst des CDU-Kandidaten Jürgen Rüttgers (CDU).

Talkshow-Gast und Beobachter des politischen Geschehens

Vom Journalismus kam Spreng allerdings nie los. Von 2002 bis 2003 war er für ein paar Monate Redaktionsleiter der ARD-Talkshow Menschen bei Maischberger. Im Bundestagswahlkampf 2005 analysierte er bei RTL und n-tv in der Rubrik „Wahlkampfcheck“ die Auftritte der Spitzenkandidaten Angela Merkel und Gerhard Schröder. Er erwarb 20 Prozent der Anteile am Online-Mediendienst DWDL. Und seinen mit viel Hingabe gepflegten Blog „Sprengsatz“ betrieb er seit 2009. In vielen politischen Talkrunden war Spreng ein gern gesehener Gast. Er war auch Kolumnist beim Berliner KURIER.

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Schon während seiner Schulzeit schrieb der Hesse für die „Frankfurter Neue Presse“, bei der er nach dem Abitur auch volontierte. Nach Stationen bei den Springer-Blättern „Welt“, „Welt am Sonntag“, „Bild“ und BamS kam er 1983 zum „Kölner Express“, dessen Chefredakteur er wurde. 1989 kehrte Spreng zu Springer zurück, wo er die Chefredaktion der BamS übernahm. Das Blatt war damals noch völlig unabhängig von der „Bild“-Zeitung.

Mit liberale Ansichten eckte Spreng bei Springer an

Mit seinen liberalen Ansichten eckte Spreng im Hause Springer des Öfteren an. Insbesondere beim sehr konservativen Medienunternehmer Leo Kirch, der damals ein größeres Aktienpaket an dem Medienhaus hielt, kam der Kurs des BamS-Chefs nicht sonderlich gut an. Doch Springers damaliger Zeitungsvorstand Claus Larass hielt schützend seine Hand über Spreng. Als der heutige Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner die Nachfolge von Larass antrat, musste, trotz glänzender Auflagenzahlen, auch Spreng gehen. Nach außen hin wurde die Abberufung des damals 52-Jährigen als Verjüngungskurs verkauft.

Wie Sprengs Familie auf Anfrage bestätigt, ist der Journalist und Politikberater bereits am Dienstagabend nach langer Krankheit auf Mallorca gestorben. Er wurde 72 Jahre alt.