Schweine sollen künftig artgerecht gehalten werden. dpa/Carmen Jaspersen

Schluss mit der Tierquälerei: Nach den Corona-Ausbrüchen in der Fleischbranche wächst der Druck, für bessere Haltebedingungen in den Ställen zu sorgen und den Preiskampf bei Lebensmitteln zu stoppen. Der Bundestag verabschiedete deshalb am Freitag einen Antrag zum grundlegenden Umbau der Tierhaltung. Zustände wie in der Fleischfabrik Tönnies im Kreis Güterloh (KURIER berichtete) sollen endlich der Vergangenheit angehören.

Der Vorstoß von Union und SPD zielt auf die Umsetzung eines Tierwohl-Konzepts, das eine Kommission um Ex-Agrarminister Jochen Borchert (CDU) erarbeitet hat. Sie schlug unter anderem eine Abgabe auf tierische Produkte vor, die als Verbrauchsteuer umgesetzt werden könnte. Denkbar seien Aufschläge von 40 Cent pro Kilo Fleisch und Wurst, zwei Cent pro Kilo für Milch und Frischmilchprodukte. Den Aufschlag müsste der Verbraucher beim Einkauf entrichten. Er soll dazu dienen, höhere Haltungsstandards und den Umbau von Ställen mitzufinanzieren.

Für diese „Tierwohlabgabe“ setzt sich auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) ein. Sie fordert angesichts des Corona-Ausbruchs bei Tönnies weitreichende Änderungen in der Produktionskette. „Es wird keine zweite Chance geben für die gesamte Branche“, sagt sie. Das Ziel sei ein Generationenvertrag für den Umbau der Tierhaltung.

Im Bundestag stimmten Union und SPD am Freitag für den Tierwohl-Antrag. Auch AfD und Linke segneten ihn ab, FDP und Grüne enthielten sich - ein Grünen-Abgeordneter stimmte allerdings zu. Zudem wurde bekannt, dass Bio-Bauern und Neuland-Betriebe seit März deutlich mehr Fleisch aus artgerechter Haltung verkaufen. Laut Marktbeobachtungsstelle Agrarmarkt Informationsgesellschaft wurden 60 Prozent mehr Öko-Schweinefleisch abgesetzt als in den Vorjahresmonaten. (mit dpa)