Wolfgang Thierse (77) Foto: dpa/Christoph Soeder

Wolfgang Thierse, einer der bekanntesten ostdeutschen Sozialdemokraten, hat den Austritt aus der SPD angeboten. Der frühere Bundestagspräsident (1998-2005) war aus Teilen der Partei, darunter von der Co-Vorsitzenden Saskia Esken und dem Bundesvorstandsmitglied Kevin Kühnert, mittelbar kritisiert worden.  

Thierse sich in einem Artikel der FAZ geäußert. Darin schrieb er, dass die sogenannte Identitätspolitik und „Cancel-Culture“ von links und rechts die gesellschaftliche Konfrontation verschärfe und der Einsatz für gemeinsame Ziele leide.

Sein Vorwurf speziell nach links: „Menschen, die andere abweichende Ansichten haben und die eine andere als die verordnete Sprache benutzen, aus dem offenen Diskurs in den Medien oder aus der Universität auszuschließen, das kann ich weder für links noch für demokratische politische Kultur halten.“

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Er verteidigte auch das „Blackfacing“, wenn sich zum Beispiel ein weißer Schauspieler schwarz schminkt, um einen Schwarzen darzustellen. Das wird vielfach als Degradierung von Hautfarbe angesehen, Thierse meint jedoch: „Kulturelle Aneignung über Hautfarben und ethnische Grenzen hinweg muss möglich sein.“ Im Deutschlandfunk legte Thierse nach und bemängelte, dass vielfach nur noch in „Blasen“ untereinander diskutiert werde, aber nicht mehr miteinander, Frauen gegen Männer, Homosexuelle gegen Heterosexuelle, Konservative gegen Progressive und so fort.

Daraufhin kam es zu einer wilden Debatte, Esken und Kühnert luden daraufhin zu einer Diskussion mit Parteimitgliedern aus dem LGBTI-Spektrum ein. Laut Tagesspiegel hieß es in der Einladung, man sei „beschämt“ über SPD-Vertreter, die „ein rückwärtsgewandtes Bild“ der Partei zeichneten. Thierse fühlte sich angesprochen und schrieb an Esken, ob sein „Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich“ sei. Er habe da Zweifel.