Die hohe Inflation macht den Menschen in Deutschland zu schaffen.
Die hohe Inflation macht den Menschen in Deutschland zu schaffen. dpa/Hendrik Schmidt

Der bange Blick auf die Preisschilder bleibt: Im Juli hat sich die Teuerungsrate in Deutschland zwar etwas verlangsamt, doch noch immer stiegen die Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich nach erster Schätzung um voraussichtlich 7,5 Prozent. Im Juni hatte die Inflationsrate noch 7,6 Prozent im Vorjahresvergleich betragen, im Mai lag sie bei 7,9 Prozent.

Nahrungsmittel erneut um 14,8 Prozent teurer

Wie in den vergangenen Monaten stiegen laut Statistischem Bundesamt auch im Juli besonders die Energiepreise – die Rate betrug 35,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich stark, hier kletterten die Preise um 14,8 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen dagegen legten nur um 2,0 Prozent zu.

Sondereffekte wie die Auswirkungen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sind in den Ergebnissen enthalten, wie das Statistikamt erklärte. In welchem Ausmaß sie sich genau ausgewirkt haben, wird erst bei der Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse am 10. August geklärt.

Inflationsrate am Scheitelpunkt?

Mit den jüngsten Daten hat nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts die Inflationsrate vorerst ihren Höhepunkt erreicht. Der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden drei Monaten ihre Preise erhöhen wollen, sei im Juli das dritte Mal in Folge gesunken, erklärte das Institut am Donnerstag unter Verweis auf eine Umfrage. „Die Preise dürften zwar weiter steigen, allerdings wird sich das Tempo verlangsamen“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

„Die Preiserwartungen der Unternehmen schlagen sich in der Regel mit ein paar Monaten Verzögerung in den Verbraucherpreisen nieder“, führte er aus. Es sei daher davon auszugehen, dass die Inflation ihren Hochpunkt erreicht habe und „im Verlauf der zweiten Jahreshälfte allmählich zurückgehen“ werde.

Preise in Industrie und Gastgewerbe bereits gesunken

Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen. Während die Preiserwartungen etwa im Baugewerbe, in der Industrie und im Gastgewerbe spürbar sanken, ist im Lebensmitteleinzelhandel „noch kein Ende der spürbaren Verteuerung in Sicht“, erklärte das Ifo-Institut. Wie bereits in den Vormonaten hätten alle befragten Händler angegeben, ihre Preise anheben zu wollen.

Die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Ramona Pop, sprach sich vor diesem Hintergrund für eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte aus. So würde es allen Verbraucherinnen und Verbrauchern erleichtert, „sich gesund zu ernähren“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.