Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollte offenbar gekidnappt werden. imago/Gottfried Czepluch

Mitglieder einer rechtsextremistischen Chatgruppe im Kurznachrichtendienst Telegram sollen in Deutschland mit Sprengstoff-Anschlägen einen Blackout und „bürgerkriegsähnliche Zustände“ sowie auch Entführungen geplant haben. So sollte etwa Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verschleppt werden!

Nun gingen Ermittler unter der Federführung der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz in einer ganzen Reihe von Bundesländern gegen sie vor.

Chatgruppe wollte Stromversorgung kappen

Ermittelt wird gegen insgesamt zwölf Personen aus der Chatgruppe „Vereinte Patrioten“. Sie sollen vorgehabt haben, Einrichtungen der Stromversorgung zu zerstören, um so einen bundesweiten Stromausfall auszulösen. Im Visier sollen Stromleitungen und Umspannwerke gewesen sein.

„Damit sollten nach der Vorstellung der Beschuldigten bürgerkriegsähnliche Zustände verursacht und schließlich das demokratische System in Deutschland gestürzt werden“, hieß es in einer Mitteilung von Generalstaatsanwaltschaft und LKA. Die Ermittlungen gegen die Gruppe, die insgesamt rund 70 Mitglieder hat, liefen seit Oktober vergangenen Jahres.

Lauterbach wegen Corona-Politik im Visier der Extremisten

Außerdem soll die „Entführung bekannter Personen des öffentlichen Lebens“ Bestandteil der Pläne der Gruppe gewesen sein. Namentlich genannt als ein Ziel wurde von den Ermittlern Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Der Minister ist nach eigenen Worten „bestürzt“ über die Berichte über einen möglichen Entführungsplan gegen ihn und bedankte sich am Donnerstag am Rande eines Klinik-Besuchs in Husum (Schleswig-Holstein) bei den ermittelnden Behörden und dem Bundeskriminalamt „für den guten Schutz und die Überwachung“. In einem RTL-Interview sagte Lauterbach wörtlich: „Ich bin sehr gut geschützt.“

„Manchen Covid-Leugnern geht es nicht um den Kampf gegen Impfungen oder Corona-Auflagen. Sie kämpfen gegen unsere demokratische Grundordnung“, hatte Lauterbach zuvor der Bild am Sonntag gesagt.

„Damit werden sie aber keinen Erfolg haben. Ich lasse mich dadurch nicht beirren, sondern setze mich weiter für die gesamte Bevölkerung ein. Dieses Beispiel zeigt die Zerrissenheit unserer Gesellschaft. Diese Spaltung zu überwinden und Vertrauen zurückzugewinnen, bleibt Ziel meiner Politik.“

Waffen und Goldbarren bei Razzien entdeckt

Im Zuge der Ermittlungen gegen die Chatgruppe wurden am Mittwoch 20 Objekte in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Brandenburg durchsucht. Dabei wurden Waffen, Munition, Bargeld, Goldbarren und Silbermünzen sichergestellt. Vier Beschuldigte seien festgenommen worden, gegen sie seien Haftbefehle beantragt worden, hieß es.

„Reichsbürger“ aus dem Havelland festgenommen

Dabei wird Sven Georg B., der am Mittwoch als einer der Rädelsführer der „Vereinigten Patrioten“ im brandenburgischen Falkensee (Havelland) festgenommen wurde, der Reichsbürgerszene zugeordnet. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Donnerstag RBB24 Recherche auf Nachfrage. B. sei nicht vorbestraft, hieß es.

Bei der Durchsuchung seines Wohnhauses fanden die Ermittler unter anderem eine SS-Uniform sowie ein AK-47-Sturmgewehr („Kalaschnikow“). Der Mann habe die Organisation der Gruppe in besonderer Weise vorangetrieben, sagte ein Staatsanwalt.

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Beschuldigt werden außer ihm Deutsche im Alter von 55, 54, 50, 42 und 41 Jahren, vorgeworfen werden ihnen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz.

Zuzuordnen seien die Personen der Corona-Protestszene und ebenfalls der Reichsbürgerbewegung. Diese Kombination sei das Besondere an dieser Gruppe, sagte LKA-Präsident Johannes Kunz. Zweiter Hauptverdächtiger neben Sven Georg B. soll ein 55-Jähriger aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt/Weinstraße sein.