Teelicht statt Glühbirne – bei Energieengpässen können Versorger stundenweise den Strom abstellen.
Teelicht statt Glühbirne – bei Energieengpässen können Versorger stundenweise den Strom abstellen. dpa/Jessica Lichetzki

Kein Licht, keine Heizung und sogar die verfügbare Menge an Trinkwasser ist begrenzt: Ein großflächiger Blackout über längere Zeit ist die Horrorvorstellung der Deutschen und wird gerade in diesem Winter wegen der Energiekrise heiß debattiert. Die Bundesnetzagentur hält den kompletten Ausfall des Stromnetzes zwar für sehr unwahrscheinlich.

Aber Netzbetreiber schließen nicht aus, dass bei Engpässen zumindest gezielt in einzelnen Regionen oder Stadtvierteln stundenweise der Strom abgestellt werden muss. Ein sogenannter Brownout tritt ein, wenn die Stromkapazitäten nicht für die komplette Versorgung von Städten ausreichen. Dies kann bei großer Kälte etwa am frühen Abend geschehen, wenn der Haushaltsstromverbrauch stark zunimmt. Doch wie genau läuft diese kontrollierte Stromsperre ab?

Wieso wird in einzelnen Stadtvierteln der Strom gekappt?

Reichen die Stromkapazitäten nicht aus, muss die Nachfrage bei den Stromkunden so weit gesenkt werden, dass das Angebot die Nachfrage wieder decken kann. Und der Strombedarf wird dann dadurch gesenkt, dass zumindest ein Teil der Verbraucher zeitweise, im Durchschnitt sind das 90 Minuten, von der Versorgung getrennt wird.

Wer entscheidet, in welchen Gebieten der Strom abgestellt wird?

Laut Bundesnetzagentur erfolgt die Abschaltung von Verbrauchern reihum (sog. rollierende Abschaltung), so lange der Mangel besteht. So werden die Auswirkungen auf einzelne Regionen so gering wie möglich gehalten. Licht und technische Geräte fallen für eine befristete Zeit aus, Gefriertruhen und Kühlschränke – insbesondere neuere Geräte – können mit einer Unterbrechung gut umgehen. Eine kontrollierte Abschaltung darf jedoch nie länger als vier Stunden dauern.

Beispiel Krefeld: Hier hat sich die Netzgesellschaft Niederrhein schon auf kontrollierte Stromabschaltungen vorbereitet. Welche Stadtviertel im äußersten Notfall abgeschaltet werden, wird per Zufallsgenerator entschieden. Anders als bei der Gasversorgung gibt es nämlich dabei keine Priorisierung bestimmter Kunden.

Diskriminierungsfrei werden Kunden vom Netz genommen, formuliert es Christoph Epe, Geschäftsführer der Netzgesellschaft Niederrhein, gegenüber der ARD. Es wird keiner geschont, keiner wird benachteiligt, der Zufall entscheidet. „Es wird nicht existenzbedrohend, es taut kein Kühlschrank auf, es gibt keine lebensbedrohliche Situation, und die Wahrscheinlichkeit, dass es einen trifft, ist sehr gering. Wir schalten ja nicht halb Krefeld ab“, so Epe.

Selbst 90 Minuten im lahmgelegten Fahrstuhl oder in der stehenden Straßenbahn sind für ihn zumutbar, weil keine Gefahr für Leib und Leben entstehe.

Gibt es eine Vorwarnzeit für Stromkunden?

Diese kontrollierte Stromabschaltung findet zwar nicht ohne zeitlichen Vorlauf statt. Aber die Vorwarnzeit beträgt laut Epe in Aachen nur zwölf Minuten – und ist damit viel zu knapp, um Stromkunden vorzuwarnen. Allgemein haben die Betreiber überhaupt nur 18 Minuten Zeit für die notwendigen Abschaltungen bei einem plötzlich auftretenden Netzsicherheitsproblem. Eine Vorabinformation der Kunden ist also praktisch nicht möglich.

Auch beim Waschen lässt sich Strom sparen, etwa durch eine niedrigere Waschtemperatur.
Auch beim Waschen lässt sich Strom sparen, etwa durch eine niedrigere Waschtemperatur. dpa/Christin Klose

Was können Verbraucher tun, um einen Brownout zu verhindern?

Auch wenn es die Bundesnetzagentur für wenig wahrscheinlich hält, „dass erzwungene großflächigere Lastreduktion im kommenden Winter erforderlich wird“, können die Verbraucher etwas dafür tun, dass das Stromnetz nicht unnötig belastet wird.

Auch wenn dem Einzelnen kleine Einschränkungen vielleicht als wenig effektiv erscheinen könnten, so machen sie dennoch viel aus, wenn viele Leute sie umsetzen. Nach dem Motto: „Kleinvieh macht auch Mist!“ So empfiehlt die Bundesnetzagentur, elektrische Geräte nicht im Stand-by-Modus zu lassen, sondern ganz abzuschalten, und generell auf stromsparende Einstellungen bei Kühlschrank, Laptop und Co zu achten.