Südsudans Präsident Salva Kiir.
Südsudans Präsident Salva Kiir. Imago/Thomas Koehler

Im Südsudan sind sechs Journalisten des Staatsfernsehens festgenommen worden. Der Grund ist so unverständlich wie skurril: Sie hatten ein Video verbreitet, auf dem der Präsident des Landes Salva Kiir bei einer offiziellen Veranstaltung angeblich beim Einnässen gezeigt wurde. Die Festnahme soll bereits am Dienstag erfolgt sein, wie das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) berichtet.

Festnahme wegen Einnäss-Video

Gegen die Festgenommenen werde wegen eines Videos ermittelt, das im Dezember vielfach in Onlinemedien verbreitet wurde, erklärte das CPJ. Die Behörden sollten die Journalisten umgehend freilassen und sicherstellen, dass sie „ohne Einschüchterung oder drohende Verhaftung arbeiten können“, sagte der CPJ-Vertreter für das südliche Afrika, Muthoko Mumo. Die Festnahmen entsprächen „einer Tendenz der Sicherheitskräfte, willkürliche Inhaftierungen“ bei „ungünstiger“ Berichterstattung vorzunehmen.

Die im Onlinekanal Youtube verbreitete 38 Sekunden lange Aufnahme zeigt den 71-jährigen Kiir bei einer feierlichen Eröffnung einer Straße, bei der sein linkes Hosenbein mit einer nassen Substanz verschmutzt zu sein scheint. Einem Vertreter der South Sudan Broadcasting Corporation (SSBC) zufolge hat der Sender das Material jedoch nicht gesendet. Dennoch entbrannte nach der Veröffentlichung bei Youtube eine Diskussion darüber, ob Kiir gesundheitlich noch zum Regieren in der Lage sei.

Südsudans Journalistengewerkschaft fordert Freilassung

Nach Angaben der Journalistengewerkschaft des Südsudan wird den Journalisten nun vorgeworfen, „Kenntnis von der Veröffentlichung eines bestimmten Filmmaterials“ zu haben. „Wir fordern vom Geheimdienst eine schnelle Aufklärung und die Freilassung der Journalisten“, erklärte der Vorsitzende der südsudanesischen Journalisten-Gewerkschaft Oyet Patrick gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. 

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Der Südsudan gehört trotz großer Ölvorkommen zu den ärmsten Ländern der Welt. Er leidet seit seiner Staatsgründung im Jahr 2011 unter chronischer Instabilität. Sie verhindert, dass sich das Land von einem Bürgerkrieg mit fast 400.000 Toten und Millionen Vertriebenen erholt. Die UNO wirft der südsudanesischen Führung vor, den Status Quo aufrechtzuerhalten, Gewalt zu schüren, die politische Freiheit zu unterdrücken und öffentliche Gelder zu veruntreuen.