Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde mehr CO2 einsparen, als bislang gedacht.
Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde mehr CO2 einsparen, als bislang gedacht. Imago/Manfred Segerer

Deutschland beschreitet verkehrstechnisch bereits seit vielen Jahren einen Sonderweg: Während nahezu ganz Europa über ein Tempolimit auf Autobahnen verfügt, gilt hierzulande Tempo-Anarchie. Klimaschützer fordern seit langer Zeit eine Geschwindigkeitsbegrenzung, um tonnenweise CO2 einzusparen. Das würde auch dem Verkehrssektor helfen, seine Klimaziele zu erreichen, doch der zuständige Minister Volker Wissing (FDP) sperrt sich noch kategorisch gegen ein Tempolimit. Nun zeigt eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes, dass der Effekt der CO2-Einsparung sogar noch größer ist, als zunächst vermutet.

Studie: So viel CO2 spart ein Tempolimit auf Autobahnen

So zeigt die Untersuchung für das Jahr 2018, dass ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Bundesautobahnen und „autobahnähnlich ausgebauten“ Straßen jährlich Treibhausgasemissionen in Höhe von 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen könne, so Umweltbundesamts-Präsident Dirk Messner. Zuvor war seine Behörde von 2,6 Millionen Tonnen ausgegangen. Die höheren CO2-Einsparungen im Vergleich zu früheren Studien kämen daher, dass der Verbrauch der Fahrzeuge genauer bestimmt und auch eine veränderte Routenwahl und Verkehrsnachfrage berücksichtigt worden sei.

Das Umweltbundesamt, das eine nachgeordnete Behörde des Bundesumweltministeriums ist, macht sich bereits seit längerem für eine Einführung eines Tempolimits stark, um die großen Rückstände des Verkehrssektors in Sachen Klimaziele zu beheben. Das Verkehrsressort ist in Sachen Klima eines der Sorgenkinder der Bundesregierung. Weil im Jahr 2021 die Klimaziele verfehlt wurden, musste der zuständige Minister Volker Wissing ein Sofortprogramm erstellen, um die Ziele doch noch zu erreichen. Der Expertenrat bezeichnete es als ungenügend und „schon im Ansatz ohne hinreichenden Anspruch“. 

Tempolimit spart viel CO2: Wie reagiert die FDP?

Ein Tempolimit fand sich übrigens nicht in dem Sofortprogramm. Wissing und seine Partei, die FDP, lehnen ein Tempolimit kategorisch ab. Zeitweise hatte Wissing die Nichtumsetzbarkeit eines temporären Tempolimits mit dem Fehlen von Schildern begründet. Sein Parteichef Christian Lindner hält ein Tempolimit für „überschätzt und nebensächlich“. Dem widersprechen nun die Zahlen des Umweltbundesamts.

Laut der Studie könnten mit Tempo 120 auf Bundesautobahnen und Tempo 80 auf Außerortsstraßen, eingeführt zum Januar 2024, bis 2030 in Summe rund 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, erklärt Dirk Messner. Damit könnte die Klimaschutzlücke im Verkehr um rund ein Sechstel geschlossen werden. 

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Ob der zuständige Minister sich von diesen Zahlen überzeugen lassen wird, ist unklar. Beim Grünen Koalitionspartner dürfte die Studie auf große Zustimmen treffen. Der Co-Vorsitzende Omid Nouripour erklärte, es sei bekannt, dass seine Partei für die Einführung eines Tempolimits sei.