Ob Gaming oder Social Media – Kinder und Jugendliche nutzen dafür pro Tag immer länger ihren Computer oder ihr Smartphone. imago/Future Image

Die Medien- und Spielsucht bei Kindern ist während der Corona-Pandemie stark angestiegen. Bei mehr als 4 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen in Deutschland liege ein sogenanntes pathologisches Nutzungsverhalten von Smartphone und Computer vor, ergab eine Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) im Auftrag der Krankenkasse DAK. 

Im Bereich Computerspiele hat sich die Zahl der Betroffenen mit Suchtverhalten von rund 144.000 im Jahr 2019 auf 219.000 in diesem Jahr um 52 Prozent erhöht. Bei der Nutzung von Social-Media-Plattformen wie Tiktok, Snapchat, WhatsApp oder Instagram wuchs die Zahl von 171.000 auf 246.000. Das ist ein Anstieg um 42 Prozent binnen zwei Jahren!

Zocker spielen mehr als vier Stunden täglich

Pathologische Spieler und Social-Media-Nutzer zocken oder chatten der Studie zufolge vier oder mehr Stunden am Tag. Eine krankhafte oder pathologische Nutzung sehen die Experten dann als gegeben, wenn bei den Betroffenen ein Kontrollverlust, eine „Priorisierung gegenüber anderen Aktivitäten“ und eine Fortsetzung der Nutzung trotz negativer Konsequenzen zu beobachten ist.

Schulische Ziele geraten in den Hintergrund

Studienleiter Rainer Thomasius vom DZSKJ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) warnte vor den Folgen durch die Vernachlässigung von Aktivitäten, Familie, Freunden und einen verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus. „Da persönliche, familiäre und schulische Ziele in den Hintergrund treten, werden alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht angemessen gelöst. Ein Stillstand in der psychosozialen Reifung ist die Folge.“

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, befürchtet, dass sich diese Fehlentwicklung beim Nutzungsverhalten auch nach Ende der Pandemie nicht einfach vollständig rückabwickeln lasse.