Auf Wahlplakaten werben Parteien mit kurzen verständlichen Slogans. imago/Hartenfelser

Wortungetüme und Bandwurmsätze – die Wahlprogramme der Parteien zur diesjährigen Bundestagswahl sind laut einer Studie der Uni Hohenheim so unverständlich wie kaum andere in der bundesdeutschen Geschichte. So weiß wahrscheinlich niemand außer der FDP, was genau eine „Quellentelekommunikationsüberwachung“ aus dem Wahlprogramm sein soll. 

In den Programmen zur anstehenden Wahl fanden sich den Studienautoren zufolge viele solcher Wortungetüme und auch Bandwurmsätze mit bis zu 79 Wörtern, wie die Stuttgarter Universität Hohenheim mitteilte. „Oft lässt die Verständlichkeit der Wahlprogramme zu wünschen übrig“, fasst der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider die Ergebnisse der Studie zusammen.

Wahlprogramme mit Software analysiert

„Nur 1994 waren die Programme im Schnitt noch unverständlicher.“ Für die Analyse benutzte sein Team eine Software für komplizierte Wörter oder verschachtelte Sätze. Die Analyse ist Teil eines Langzeitprojektes, bei dem seit der Bundestagswahl 1949 alle 83 Wahlprogramme der im Deutschen Bundestag oder in drei Landtagen vertretenen Parteien untersucht werden.

Wahlprogramme werden immer länger

Ein weiteres Ergebnis: „Wahlprogramme werden immer länger“, erklärt Brettschneider. Formulierten die Parteien bei der ersten Bundestagswahl 1949 ihre Vorhaben noch im Schnitt mit 5498 Wörtern, so sind es nun 43.541 Wörter pro Programm – achtmal so viele.

Komplizierte Sprache schließt Wähler aus

Die Ergebnisse seien noch schlechter als bei der jüngsten Bundestagswahl im Jahr 2017. „Das ist enttäuschend“, sagt Brettschneider. „Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben.“ Mit ihren „teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen“ schlössen sie aber einen erheblichen Teil der Wählerinnen und Wähler aus.