Hat die Corona-Zeit Schüler und Schülerinnen tatsächlich dümmer gemacht? Eine Testreihe von Forschern bestätigt diesen Verdacht.
Hat die Corona-Zeit Schüler und Schülerinnen tatsächlich dümmer gemacht? Eine Testreihe von Forschern bestätigt diesen Verdacht. imago/Westend61

Die Corona-Pandemie hat bei einer ganzen Generation von Schülern eine Bildungslücke gerissen. Monatelang waren in Deutschland Schulen geschlossen oder es wurde online gepaukt. Nach einer neuen Studie der Universitäten Trier und Chemnitz hat sich das auch auf die Intelligenz von Schülern und Schülerinnen niedergeschlagen: Die Corona-Zeit hat Kinder und Jugendliche dümmer gemacht!

Sieben IQ-Punkte weniger nach Corona-Lockdown

Denn im August 2020, also sechs Monate nach Pandemiebeginn, schnitten Deutschlands Schüler in einem Intelligenztest deutlich schlechter ab als Vergleichsgruppen in den Jahren 2002 und 2012. Im Schnitt erzielten sie etwa sieben IQ-Punkte weniger als eine vergleichbare Schülerkohorte 2002, so die Studienergebnisse, die jetzt im Magazin Plos One veröffentlicht wurden.

Bei ihren Untersuchungen hatten die Forscher 424 Sieben- bis Neuntklässler (42 Prozent weiblich) aus vier Schulen in Rheinland-Pfalz getestet und mit Schülergruppen der vergangenen Jahre verglichen. Dabei verwendeten sie den Berliner Intelligenzstrukturtest für Jugendliche, der etwa Bearbeitungsgeschwindigkeit, Merkfähigkeit, Kreativität sowie das Verständnis von Zahlen und figürlichen Darstellungen misst und aus diesen Teilbereichen einen Gesamtwert für die allgemeine Intelligenz ermittelt.

Betrugen die durchschnittlichen Ergebnisse 2002 noch 112 Punkte, lagen sie 2020 nur noch bei 105. Bei einem wiederholten Test im Jahr 2021 verbesserten sich die Jugendlichen zwar im Schnitt um acht IQ-Punkte, was dem erwartbaren Zuwachs während eines Schuljahres entspricht. Den zuvor festgestellten Rückstand im Vergleich zu den Vorjahren konnten die Schüler jedoch nicht aufholen.

Längere Zeiten am Handy und Laptop mitschuld?

Doch ob es die Schulschließungen allein waren, die die Schüler dauerhaft Intelligenz-Punkte kosteten, ist unter Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, strittig. „Die Ergebnisse stimmen mit dem überein, was man bereits weiß: Die Dauer des Schulbesuchs wirkt sich positiv auf die Intelligenz aus“, sagt etwa Psychologie-Professor Detlef Rost von der Universität Chongqing in China. Grob gesagt lasse sich mit jedem weiteren Jahr, das ein Kind die Schule besucht, eine Steigerung des IQ um fünf Punkte beobachten, so Rost.

Doch ob vielleicht auch längere Bildschirmzeiten, also eine intensivere Nutzung von Handys, Tablets und Computern, während der Lockdowns mit hineinspielte, lasse sich auf Basis der veröffentlichten Daten kaum einschätzen, betont Klaus Zierer, Professor für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Weiterer Kritikpunkt: Es ist unklar, ob die Schülergruppen tatsächlich vergleichbar sind, weil in der aktuellen Studie wichtige Merkmale, wie zum Beispiel familiärer Hintergrund oder Migrationsstatus der Schüler nicht erfasst wurden.