Der Wachturm auf der Außenmauer der Stasigefängnis-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Menschen, die in der DDR politisches Unrecht erfahren haben, leiden laut einer Studie in Brandenburg bis heute unter den Folgen. 57 Prozent der insgesamt 533 Befragten gaben einen schlechten Gesundheitszustand an. Vor allem wurden körperliche und psychische Auswirkungen genannt, wie die Sozialstudie ergab, die die Beauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, am Dienstag Landtagschefin Ulrike Liedtke übergab.

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Doch auch materiell seien die damaligen Strapazen – darunter Haft und/oder Überwachung – weiterhin spürbar, heißt es in der Studie weiter. So wirke sich das erlebte Unrecht häufig auf die berufliche Laufbahn aus. Verweigerte Bildungschancen oder unterbrochene Erwerbsverläufe führten den Angaben zufolge bis heute zu vermindertem Einkommen. 27 Prozent der Befragten gaben ein Nettoeinkommen von unter 1000 Euro monatlich an – damit liegt es unter der derzeit geltenden Armutsrisikogrenze von 1135 Euro.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, wie stark politische Unrechtserfahrungen aus der Zeit vor 1990 bis heute nachwirken“, sagte Nooke. „Wir werden betroffene Menschen auch weiterhin aktiv unterstützen und beraten und mit Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen zusammenarbeiten.“

Therapien, Beratungen und finanzielle Unterstützung

Laut der Studie werden Unterstützungsleistungen wegen einer häufig schlechten finanziellen Lage als zu gering angesehen. Eine lange Dauer der Rehabilitierungs- und Entschädigungsverfahren beeinträchtige die Gesundheit der Betroffenen zusätzlich. Das halte nicht wenige davon ab, gesundheitliche Versorgungsleistungen zu beantragen.

Die Studie mache deutlich, dass auch 30 Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur politisches Unrecht vielfältig nachwirke, sagte die brandenburgische Bundestagsabgeordnete und FDP-Landesvorsitzende Linda Teuteberg. Traumata würden oft von Generation zu Generation weitervererbt. „Die DDR mag seit 30 Jahren Geschichte sein, doch manches Leid dauert fort“, betonte Clemens Rostock, der in der Grünen-Fraktion im Landtag für das Thema Aufarbeitung zuständig ist. Nötig sei Solidarität in Form von unbürokratischer Hilfen durch Therapien, Beratungen sowie finanzielle Unterstützung.