Bei immer mehr Corona-Tests wird auch in Deutschland die Omikron-Variante festgestellt. dpa/Hauke-Christian Dittrich

Seit wenigen Wochen wird in Labors weltweit die neue Omikron-Variante des Coronavirus untersucht. Erste Studien an Erkrankten in Südafrika ließen hoffen, dass der Krankheitsverlauf milder sein könnte als bei der derzeit noch dominierenden Delta-Variante.

Doch ein neuer Report des Imperial College London bremst diese Hoffnung jetzt gewaltig. Denn die Wissenschaftler warnen darin eindringlich, wie deutlich die Omikron-Variante den durch Impfstoffe und natürliche Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 verliehenen Immunschutz umgehen kann.

Außerdem ergebe sich aus den bisherigen Untersuchungen kein Hinweis auf mildere Krankheitsverläufe, hieß es. Das traurige Ergebnis der Studie hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits über Twitter kommentiert.

Für Genesene ist etwa das Risiko einer Reinfektion mit der Omikron-Variante 5,4-mal höher als das der Delta- Variante. Die Studie des Imperial College London legt nahe, dass der Schutz vor einer erneuten Infektion durch Omikron aufgrund einer früheren Infektion nur 19 Prozent betragen könnte.

Es wurden auch keine Hinweise darauf gefunden, dass Omikron beim Krankheitsverlauf einen geringeren Schweregrad als Delta aufweist, aber die Daten zur Krankenhauseinweisung waren zum Zeitpunkt der Studie sehr niedrig.

„Diese Studie liefert einen weiteren Beweis dafür, inwieweit Omikron sich einer früheren Immunität durch Infektion oder Impfung entziehen kann“, sagte Professor Neil Ferguson vom Imperial College London. „Dieses Ausmaß an Immunevasion bedeutet, dass Omikron eine große, unmittelbar bevorstehende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt.“

Nur 20 Prozent Schutz vor Omikron nach zwei Impfungen

Den Daten zufolge sind Booster für die Kontrolle von Omikron von entscheidender Bedeutung, können jedoch mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren. Der Schätzung der Forscher zur Impfstoffwirksamkeit nach beträgt der Schutz vor symptomatischen Omikron-Infektionen nach zwei Impfstoff-Dosen zwischen null und 20 Prozent. Nach einer Auffrischimpfung steigt der Anteil auf 55 bis 80 Prozent. Also kann nur ein Booster einen moderaten Schutz vor der Variante bieten.

Die Wissenschaftler nutzten Daten der britischen Health Security Agency (UKHSA) und des NHS für alle PCR-bestätigten Covid-Fälle in England, die zwischen dem 29. November und dem 11. Dezember dieses Jahres einen Test gemacht hatten.

Die Omikron-Variante verbreitet sich im Vereinigten Königreich rasant und verdrängt die Delta-Mutante immer stärker. Inzwischen macht Omikron 60 Prozent aller Fälle im Land aus. Allein am Samstag wurden im Vereinigten Königreich 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet – dreimal so viele wie am Tag zuvor.