Das Atomkraftwerk Neckarwestheim II liefert noch Strom, soll aber abgeschaltet werden. dpa

Die Strompreise gehen durch die Decke und die Bundesregierung setzt auf erneuerbare Energien, um unabhängig zu werden von russischem Öl und Gas. Andere Länder wie etwa Frankreich setzen stattdessen verstärkt auf Atomkraft. Und jeder zweite Deutsche möchte auch hierzulande die Kernkraftwerke länger am Netz lassen, damit die Strompreise nicht noch stärker steigen.

Denn derzeit sind in Deutschland nur noch drei Atomkraftwerke in Betrieb, die aber spätestens am 31.12.2022 abgeschaltet werden sollen. Mit bösen Folgen. Denn ohne Ausgleich droht eine zusätzliche Verknappung auf dem Strommarkt.

In einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa für die Bild-Zeitung vom Mittwoch befürworteten jetzt 50 Prozent der Befragten, die Kernkraftwerke angesichts der aktuellen Energiekrise länger laufen zu lassen. Gut ein Drittel (35 Prozent) wollte dies dagegen nicht.

Nein zum Bau neuer Atomkraftwerke

Der Bau neuer Atomkraftwerke fand jedoch keine Mehrheit. 53 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus. Ein Drittel (33 Prozent) war dagegen dafür. 13 Prozent waren unentschlossen oder machten keine Angabe.

Zum Jahreswechsel waren bereits die AKW Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen abgeschaltet worden. Strom liefern seither nur noch die Meiler Isar 2, Emsland und Neckarwestheim II.

Wähler von SPD (49 Prozent) und Grünen (63 Prozent) sind der Umfrage zufolge mehrheitlich gegen eine Rückkehr zur Kernenergie. Alle anderen Wählergruppen gaben dagegen den Angaben zufolge mehrheitlich an, sie hielten dies für sinnvoll.

Mehrheit hat keine Angst vor Atomkraft

Ebenfalls eine absolute Mehrheit von 53 Prozent der Befragten erklärte, sie habe keine Angst vor der Erzeugung von Energie mittels Atomkraftwerken. 38 Prozent gaben hingegen an, dass sie Angst davor haben. Neun Prozent wussten es nicht oder wollten dazu keine Angabe machen.

In einem gewissen Widerspruch dazu steht die Haltung zum Atomausstiegsbeschluss von 2011. Die absolute Mehrheit von 56 Prozent der Befragten hält die Entscheidung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Reaktorunglück in Fukushima für richtig, aus der Atomenergie auszusteigen. 30 Prozent fanden dies falsch. 15 Prozent wollten sich nicht positionieren. Für die Erhebung befragte Insa am Dienstag online 1001 repräsentativ ausgewählte Teilnehmer.