Gaskraftwerk Lichterfelde in Berlin: Russland droht die nächste Pipeline abzustellen.
Gaskraftwerk Lichterfelde in Berlin: Russland droht die nächste Pipeline abzustellen. Imago/Jochen Eckel

Kaum sind die beiden Gasröhren durch die Ostsee, vermutlich durch Explosionen, beschädigt, droht uns Gazprom mit einem Lieferstopp durch Pipelines durch die Ukraine! Wie der russische Staatskonzern am Mittwoch verkündete, gibt es Zoff mit dem ukrainischen Konzern Naftogaz um die Durchleitung des russischen Erdgases nach Europa.

Nun drohen die Russen mit Sanktionen bis hin zu einem Lieferstopp. Gazprom pumpt im Zuge des russischen Kriegs gegen die Ukraine bereits seit Mai weniger Gas durch das angegriffene Land. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die geringeren Mengen verantwortlich. „Die von der Ukraine nicht geleisteten Dienste sollten und werden nicht bezahlt“, teilte Gazprom bereits am Dienstag mit.

Lesen sie auch: Der Krimi auf dem Meeresgrund – Bundeswehr-Experte: So könnten die Anschläge auf die Gas-Pipelines abgelaufen sein! >>

In einem Statement von Gazprom auf Twitter vom Mittwochmorgen beschuldigt der russische Staatskonzern die Ukraine, für den Lieferstopp verantwortlich zu sein. „Ohne erkennbare Gründe verweigert das ukrainische Naftogaz, die Durchleitungsverpflichtungen durch die Messstation Sochraniwka zu leisten“, heißt es in dem Statement.

Ukraine wehrt sich gegen russische Vorwürfe zu Pipeline

Die Ukraine hatte wegen des Krieges nur noch an einer Messstation, über komplett ukrainisch kontrolliertes Gebiet, die Durchleitung russischen Gases genehmigt. Russland will über diese jedoch nicht mehr russisches Gas in Richtung Europa pumpen.

Der ukrainische Staatskonzern Naftogaz wies deshalb die Vorwürfe Russlands zurück. „Gazprom stellt die relevanten Tatsachen der Behauptung von Gazprom auf den Kopf“, so Jurij Vitrenko, Geschäftsführer des ukrainischen Gasversorgers Naftogaz.

So habe Naftogaz angeboten, die Durchleitung russischen Gases über eine andere Messstation zu ermöglichen, ohne Zusatzkosten. Der bisherige Eingangspunkt für die Gasdurchleitung durch die Ukraine befindet sich in von Russland kontrollierten Territorien der Ukraine. Russland wolle jedoch weiter über die bisherige Route liefern.

Naftogaz hat Gazprom über ausbleibende Zahlungen verklagt

Der ukrainische Staatskonzern Naftogaz hatte Anfang September Klage bei einem schweizerischen Schiedsgericht gegen Gazprom eingereicht, um trotz der geringeren Durchleitung den Transit für die maximal vertraglich vereinbarte Liefermenge zu erhalten.

Gazprom lehnt diese Strafzahlungen ab, weil sich das Unternehmen nicht für den Lieferrückgang in der Verantwortung sieht. Aus Sicht des russischen Unternehmens soll vielmehr Naftogaz dafür bezahlen, dass es die vereinbarten Umfänge nicht durchleitet.

„Gazprom sieht die Klageeinreichung von Naftogaz als unfreundlichen Schritt und die Fortsetzung des unlauteren Verhaltens des ukrainischen Unternehmens an“, teilte der Konzern mit. Gazprom lehnt auch den Gerichtsstandort ab, weil sich die Schweiz den Sanktionen des Westens gegen Russlands Krieg in der Ukraine angeschlossen hat.

Gastransit-Stopp und weitere Preisexplosion drohen

Sollte Naftogaz das Schiedsgerichtsverfahren fortsetzen, würde das aus Sicht von Gazprom zu russischen Sanktionen gegen den ukrainischen Konzern führen. Die Sanktionen würden es Gazprom verbieten, für den Gastransit über das Nachbarland zu zahlen. Das wiederum zöge einen Transitstopp nach sich.

Ein Wegfall des Transits durch die Ukraine würde die Lage auf dem Energiemarkt in Europa weiter verschärfen, nachdem die Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 auch nicht im Einsatz sind.

Trotz des laufenden russischen Angriffskrieges waren seit dem 24. Februar über 13,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland durch die Ukraine in die EU und nach Moldau geflossen. Die Ukraine hatte dadurch Einnahmen aus dem Transit erzielt.