Langes Warten am Umbuchungsschalter: Der Pilotenstreik betraf rund 130.000 Fluggäste.
Langes Warten am Umbuchungsschalter: Der Pilotenstreik betraf rund 130.000 Fluggäste. dpa/Boris Roessler

Der ganztägige Streik der Piloten hat am Freitag den gesamten Lufthansa-Flugbetrieb nahezu stillstehen lassen. Mehr als 800 Flüge fielen aus, 130.000 betroffene Passagiere mussten umbuchen. In den Terminals am Frankfurter Drehkreuz war es am Freitag vergleichsweise ruhig, wie der Betreiber Fraport berichtete. Die meisten Passagiere hatten die Flugabsagen rechtzeitig mitbekommen. An den Service-Schaltern der Lufthansa bildeten sich dennoch lange Schlangen mit Langstrecken-Passagieren, die auf Weitertransport hofften.

Lufthansa-Passagieren stehen Erstattungen zu

Das gesamte Augenmerk liege darauf, nach Streikende am Sonnabend wieder einen weitgehend normalen Flugplan anbieten zu können, versicherte ein Sprecher der Airline in Frankfurt. Es handelt sich um das letzte Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Den Passagieren stehen bei Ausfällen oder schwerwiegenden Verspätungen ab drei Stunden Erstattungen und möglicherweise auch Ausgleichszahlungen bis zu 600 Euro zu.

Vordergründig fordern die Piloten 5,5 Prozent mehr Gehalt, doch es geht beim Streik um viel mehr als Tarife. Denn offenbar plant Lufthansa unter der internen Bezeichnung „Cityline 2“ ab 2023 eine neue Flugbetrieb-Untergliederung, für deren Piloten deutlich schlechtere Tarifbedingungen als für die Mitarbeiter des Kernkonzerns gelten sollen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisiert das als „Tarifflucht“.

Keine Kundgebungen aus Angst vor Anfeindungen

Auf Kundgebungen oder Streikversammlungen verzichtete die Gewerkschaft beim ganztägigen Pilotenstreik am Freitag – wohl auch aus Sorge vor negativen Reaktionen.

Laut Verdi war es beim Streik des Lufthansa-Bodenpersonals im Juli zu massiven Anfeindungen gekommen. Es habe sogar Morddrohungen gegeben, sagte Verdi-Chef Frank Werneke der Augsburger Allgemeinen. „Ich empfand es als sehr bedrückend, dass Menschen, die auf unserer Seite in dem Lufthansa-Streik Verantwortung übernommen haben, bedroht wurden“, sagte der Verdi-Chef.