Prof. Dr. Thomas Mertens, Chef der ständigen Impfkommission verlässt sich auf Daten. Und die liegen für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren noch nicht in ausreichender Menge vor.  Imago

Viele Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen, wenn die Impfstoffe für 5 bis 12-Jährige verfügbar sind. Nicht wenige wollen auf eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission warten, Deren Chef, aber würde sein Kind aber derzeit nicht impfen lassen – wegen fehlender Daten.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will auf die um eine Woche vorgezogene Auslieferung des speziellen Corona-Impfstoffs für Kinder von fünf und elf Jahren reagieren. „Wenn irgend möglich“ solle bis zum 13. Dezember eine Empfehlung vorliegen, teilte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens auf Anfrage mit. Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“: „Wir werden sicherlich bis dahin eine Empfehlung haben.“

Empfehlung erst für Kinder mit Vorerkrankungen

Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass die Stiko die Impfung zunächst ausdrücklich nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen und erkrankten Angehörigen ausdrücklich empfehlen könnte. Eine spätere Ausweitung auf alle Gruppen hatte es auch beim Impfen von 12- bis 17-Jährigen gegeben. Dies würde aber nicht bedeuten, dass die Impfung nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder der Sorgeberechtigten nicht möglich ist, hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin vergangene Woche nach der Zulassung des Mittels durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA betont.

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Es fehlen Daten für den Kinder-Impfstoff 

Die Sicherheitsdaten für den Kinder-Impfstoff seien noch nicht ganz ausreichend, sagte Terhardt im ZDF. Zum Risiko von Herzmuskelentzündungen sei noch nichts bekannt. Bis zur Klärung der Frage könne es Januar oder Februar werden, erwartet würden dazu Daten aus den USA, wo Kinder in dem Alter bereits in großer Zahl gegen Covid-19 geimpft werden. Sehr seltene Nebenwirkungen können mit einer Probandenzahl wie in der Zulassungsstudie nicht erfasst werden. In einen Podcast der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte der Ulmer Virologe und Stiko-Chef Thomas Mertens, angesichts fehlender Daten würde er sein eigenes sieben Jahre altes Kind derzeit nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Es gebe jenseits der Daten aus der Zulassungsstudie des Impfstoffs „keinerlei Daten“ über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Die aktuellen Publikationen zeigten, dass Aussagen über Langzeitschäden kaum möglich seien.

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Kinder sollen nicht fehlende Impfungen bei Erwachsenen kompensieren

Thomas Mertens kritisierte in dem Beitrag weiter: „Falsche politische Entscheidungen können nicht durch eine Impfung korrigiert werden.“ Gerade weil Corona-Infektionen bei Kindern in der Regel harmlos verliefen, müsse man umso sicherer sein, dass die Impfung auf Dauer gut verträglich sei, so Mertens. Dass Kinder nun die fehlende Impfbereitschaft bei Erwachsenen ausbaden sollen, halt er für kritikwürdig. 

Beim Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige geht es um ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat im Vergleich zum herkömmlichen Biontech-Impfstoff. Es gibt jetzt schon Ärzte, die den schon verfügbaren Impfstoff in verringerter Dosis einsetzen, dies fällt laut Kinderärzten unter sogenannten Off-Label-Use.