Rente mit 70 oder die Wochenarbeitszeit erhöhen? Die Vorstöße von Experten stoßen auf heftige Kritik. imago/Westend61

Die Einkünfte der Rentenversicherung werden langfristig sinken, schon wird über die Rente mit 70 spekuliert, um gegenzusteuern. Doch ist die Anhebung des Renteneintrittsalters wirklich die einzige Möglichkeit? Wirtschaftsforscher Michael Hüther sieht noch einen anderen Weg: die Wochenarbeitszeit muss verlängert werden! Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln plädiert für eine 42-Stunden-Woche als Regelarbeitszeit. Üblich ist derzeit eine 40-Stunden-Woche.

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„Es braucht die 42-Stunden-Woche. Die Stunden werden natürlich bezahlt – es geht nicht darum, durch die Hintertür am Lohn zu kürzen“, erklärte Hüther. In der Schweiz werde pro Woche bereits zwei Stunden mehr gearbeitet als in Deutschland, in Schweden eine Stunde mehr. „Wenn man das aufsummiert, dann würde man bis 2030 den demografisch bedingten Verlust an Arbeitsvolumen kompensieren.“

Erhöhung des Renteneintrittsalters schwer durchsetzbar

Die meist als Mittel zur Ausbalancierung der Rentenversicherung diskutierte Heraufsetzung des Renteneintrittsalters hält Hüther dagegen für politisch schwer umsetzbar, wie er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, findet die 42-Stunden-Woche eine gute Idee. dpa/Michael Kappeler

Bei den Bundesbürgern stößt die Idee des Experten auf wenig Gegenliebe. Nicht jeder ist bereit, zwei Stunden pro Woche zusätzlich zu arbeiten, außerdem kommen Beschäftigte im Vollzeitjob derzeit ohnehin schon auf durchschnittlich 41 Wochenstunden.

„Wer so was fordert, der verkennt, dass schon Millionen von unbezahlten Überstunden von den Leuten geleistet werden. Wie wäre es mal mit Gehalt an der 1. Minute Überzeit @hubertus_heil?“, schrieb ein Nutzer auf dem Nachrichtendienst Twitter zum Vorstoß. „Aha, Steuerhinterziehung, Reiche immer reicher, alles von Investoren geführt, aber Arme sollen bitte länger arbeiten, um das Rentensystem zu sichern.#42StundenWoche #Alterssicherung #Rente #IW“, schimpfte ein anderer.

Zuletzt hatten Ökonomen für eine Welle von Protesten gesorgt, weil sie die Rente mit 70 gefordert hatten, um die steigenden Preise abzufedern und die Arbeit an die steigende Lebenserwartung zu koppeln.

Der Wirtschaftsforscher Gunther Schnabl sagte der Bild-Zeitung: „Das Renteneintrittsalter muss steigen. Deutschland hat schon heute ein riesiges Fachkräfteproblem, Hunderttausende Stellen sind unbesetzt.“ Das führe dazu, dass unter anderem die Löhne in den nächsten Jahren kräftig steigen müssten und damit Waren und andere Leistungen noch viel teurer würden.