Schon vor dem „Freedom Day" waren viele Corona-Maßnahmen in Großbritannien gelockert worden. Danach stiegen die Corona-Zahlen an, inzwischen fallen sie wieder. imago/Matt Crossick

Es klingt wie ein Hirngespinst, doch glaubt man dem britischen Epidemiologen Neil Ferguson, ist die Überwindung der Corona-Pandemie zum Greifen nahe. Bereits im September, spätestens im Oktober, könnte das Ende erreicht sein, meint der als „Professor Lockdown“ bekannt gewordene Wissenschaftler in der Sendung „Today“ des britischen Radiosenders Radio 4.

Dabei hatte Ferguson vor wenigen Wochen noch vor den Auswirkungen des „Freedom Day“ gewarnt: Am 19. Juli fielen in Großbritannien alle staatlichen Corona-Maßnahmen. Pubs und Restaurants sind wieder geöffnet, Menschen feiern ohne Maske und Abstand. Allerdings haben Verkehrsunternehmen etwa in London die Maskenpflicht nicht aufgehoben.

Corona-Zahlen im Sinkflug, schwere Verläufe auf niedrigem Niveau

Neil Ferguson gehörte zu den Mahnern, die ein düsteres Szenario nach dem „Freedom Day“ aufzeichneten: Bis zu 100.000 Coronafälle pro Tag, so seine Prognose, verbunden mit steigenden Zahlen schwerer Verläufe und Todesfälle. Tatsächlich waren die Coronazahlen Ende Juli in England stark angestiegen und hatten in der Spitze 46.000 Fälle erreicht. Inzwischen sind sie jedoch wieder deutlich gefallen und liegen nun bei 29.000 Neuinfektionen. Die Inzidenz hat sich von einem Höchststand von 500 in etwa halbiert. Vor allem: Die Zahl der Krankenhauseinweisungen hat sich zwar erhöht, auf der Intensivstation landet jedoch nur ein geringer Anteil. Insgesamt 121 Todesfälle in Großbritannien im Zusammenhang mit einer Covid-Infektion innerhalb eines Tages sind zwar nicht wenig, doch bei Weitem nicht so viele wie befürchtet.

All dies zusammen veranlasst Neil Ferguson nun, seine Ansicht zu revidieren. Seine Zuversicht stützt Ferguson auf die seiner Ansicht nach erfolgreiche Impfkampagne:„Die Wirkung von Impfungen war enorm, da sie das Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen minimierte." Auf Radio 4 legte sich Ferguson fest: „Ich bin zuversichtlich, dass wir Ende September, Oktober auf den größten Teil der Pandemie zurückblicken werden.“ Corona werde zwar bleiben, Menschen würden weiter sterben, aber dennoch liege dann der Großteil der Pandemie hinter uns.