Grusel-Preise an den Tankstellen: Bei einem Öl-Embargo gegen Russland erwarten Experten steigende Preise. dpa/Julian Stratenschulte

An den Tankstellen haben sich die Preise für Benzin und Diesel nach dem ersten Preisschock auf hohem Niveau eingependelt. Mal kostet der Liter Super E10 „nur“ noch 1,90 Euro, insgesamt bleibt der Sprit aber teuer und oftmals deutlich über der 2-Euro-Marke. Bemerkenswert: Die Ankündigung eines Öl-Embargos gegen Russland hat keinen neuen Preisschock verursacht.

Vielmehr war der Schritt erwartet worden und ist offenbar von den Mineralölfirmen bereits eingepreist. Inzwischen wäre Deutschland in der Lage, einen russischen Öl-Stopp zu verkraften. Nur ausgerechnet die Region Berlin-Brandenburg ist noch auf Diesel und Heizöl der Raffinerie in Schwedt angewiesen, die vom russischen Öl-Unternehmen Rosneft betrieben wird. Notfalls will die Bundesregierung die Raffinerie enteignen und diese mit Rohöl aus anderen Quellen betreiben lassen.

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Der Sprit fließt trotz Öl-Embargo und Ukraine-Krieg weiter – aber wird er bald drei Euro kosten?

Für Verbraucher und Unternehmen würde sich also selbst im schlimmsten Fall kaum etwas ändern: Tankstellen werden weiterhin mit allen Spritsorten versorgt, der Hauptstadtflughafen BER muss nicht befürchten, dass Flugzeuge kein Kerosin tanken könnten, und auch Heizöl wird weiterfließen. Wenn das so ist, warum aber bleiben dann die Preise so hoch? Das schauen sich gerade die Preiswächter vom Bundeskartellamt genauer an. Denn Tatsache ist: An den weiterhin hohen Spritpreisen verdient nicht nur der Fiskus, sondern vor allem auch die Mineralölindustrie. Auch die Rohöl-Preise bleiben mit rund 100 Euro je Tonne teuer, liegen aber deutlich unter den Höchstpreisen nach Beginn des Ukraine-Krieges.

Vor allem die Diesel-Preise waren massiv in die Höhe geschnellt, liegen aber weiterhin im Durchschnitt über der 2-Euro-Marke, während E10 im April durchschnittlich knapp darunter lag. Marktbeobachter erwarten nun, dass das Öl-Embargo und weitere Störfaktoren wie die Corona-Situation in China im Mai zu neuen Preissprüngen führen könnte. Wenn kein Sprit mehr aus Russland fließen würde, profitierten davon allerdings die anderen Öl exportierenden Länder – und die Mineralölfirmen. Worauf werden sich Kraftfahrer demnächst einstellen müssen? Energieexperte Manuel Frondel sagte der Rheinischen Post, in den aktuellen Preisen seien die erwartbaren Entwicklungen bereits eingepreist. Weitere Preissteigerungen sind nicht ausgeschlossen, „dauerhafte Benzinpreis-Höhen von 3 Euro pro Liter sollten aber eher unwahrscheinlich sein“.