In der britischen Botschaft an der Wilhelmstraße in Mitte wurde ein Spion enttarnt. dpa/Britta Pedersen

Ein Mitarbeiter der britischen Botschaft in Berlin ist unter dem Verdacht verhaftet worden, für Russland spioniert zu haben. David S. (57), der als sogenannte Ortskraft keine diplomatische Immunität genießt, soll vermutlich seit November 2020 gegen Geld Unterlagen aus der Botschaft an einen russischen Geheimdienst weitergeleitet haben.

Sicher scheint, dass er es mindestens einmal getan hat, ergaben Ermittlungen deutscher und britischer Behörden. Wie hoch die Bezahlung war, ist noch nicht bekannt.

Der britische Staatsbürger wurde bereits am Dienstag in seiner Potsdamer Wohnung von Beamten des Bundeskriminalamts festgenommen. Die Wohnung und sein Arbeitsplatz wurden durchsucht.

Am Mittwoch wurde er nach Karlsruhe gebracht. Dort entschied ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs, dass der Mann in Untersuchungshaft muss.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament, Tom Tugendhat, schätzte den Verdächtigen als eher kleines Licht ein. „Wir reden über jemanden ziemlich weit unten in der Hierarchie, der eindeutig einige unkluge Entscheidungen getroffen hat und womöglich sein Land verraten hat“, sagte Tugendhat dem Sender BBC Radio 4.

Die Zusammenarbeit mit den Deutschen sei „ziemlich beeindruckend“ gewesen. Briten und Deutsche hätten durch die monatelange Observierung des Mannes nun womöglich nützliche Informationen über die Arbeit der Russen in Berlin erhalten.

Das Auswärtige Amt teilte mit, es nehme den Fall sehr ernst. „Geheimdienstliches Ausspähen eines engen Bündnispartners auf deutschem Boden ist nichts, was wir akzeptieren können“, sagte ein Sprecher. „Deshalb werden wir die weiteren Ermittlungen des Generalbundesanwalts sehr genau verfolgen.“