Der grüne Pass, den man in Israel nach vollständiger Impfung aufs Handy bekommt, macht das Leben für den Inhaber leichter. Foto: dpa/Ilia Yefimovich

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bei einem Besuch im Impfzentrum auf dem Berliner Messegelände wiederholt, dass vollständig Geimpfte Erleichterungen im täglichen Leben erfahren sollen. Er erklärte, sie sollten so behandelt werden wie Menschen, die beispielsweise mit einem frischen, negativen Test einkaufen gehen dürfen. Impfung und Test verringerten das Risiko, jemanden anzustecken.

Abstandsregeln, Maske und Händewaschen müssten allerdings auch für die Geimpften weiter gelten. 

Am Sonntag war ein Interview mit Spahn veröffentlicht worden, in dem er mit Verweis auf eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) gesagt hatte, beim Einkauf und auf Reisen sollten Durchgeimpfte weniger Einschränkungen haben sollen, so wie gerade Getestete. Gegenwärtig ginge das noch nicht, weil die „3. Welle“ der Pandemie noch rolle. Erst wenn diese Welle gebrochen sei, könnten die Regeln geändert werden. Bei welchen Infektionszahlen das sei, sagte Spahn nicht.

Das RKI hatte veröffentlicht: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“  

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Spahns Vorschlag war in der Politik auf weitgehende Zustimmung gestoßen, nur bei der AfD gab es Gejammer über eine angebliche Stigmatisierung von Ungeimpften und denjenigen, die sich nicht impfen lassen wollten. Eugen Brysch, Vorsitzender der Stiftung Patientenschutz, wandte ein, es sei unklar, wie man sich als Geimpfter ausweisen könne.

Allerdings ist die EU dabei, einen entsprechenden Nachweis bis zum Sommer vorzulegen, der sich am Vorbild des israelischen „grünen Passes“ orientiert. Wer ihn nach der Impfung hat, darf dort seit Februar ins Kino, ins Theater, zum Konzert. Israel, wo rund 70 Prozent der Menschen ab 16 Jahren mindestens eine Spritze bekommen haben, ist die 7-Tage-Inzidenz von knapp 700 am 18. Januar auf 26,8 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner zurückgegangen. In Deutschland liegt sie bei 128, über 12 Prozent der Bewohner sind mindestens einmal geimpft.