Eine Reisende lässt am Flughafen von einem Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) einen Corona-Test machen. Für Rückkehrer aus Risikogebieten ist der Test derzeit Pflicht. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Die erst vor kurzem eingeführten Corona-Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten könnten schon bald wieder Geschichte sein: Nach Ende der Sommerferien sollen sie im gesamten Bundesgebiet wieder abgeschafft werden. Zuletzt enden Mitte September in Baden-Württemberg die Schulferien. Einen entsprechenden Vorschlag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seinen Amtskollegen aus den Ländern für deren Schaltkonferenz an diesem Nachmittag vorgelegt.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht die Labore durch die große Zahl an Corona-Tests durch Reisende an ihren Grenzen. Foto: Christian Charisius/dpa-POOL/dpa

Statt Reisende aus Risikogebieten direkt bei der Einreise zum Test zu verpflichten, solle wieder primär eine Quarantänepflicht greifen. Die Quarantäne könne „nur durch ein negatives Testergebnis bei einer Testung nach frühestens fünf Tagen nach Einreise beendet werden“, heißt es in dem Vorschlag.

Seit Ende Juli können sich Touristen kostenlos testen lassen. Reisende, die aus einer zum Risikogebiet erklärten Region kommen, müssen das seit 8. August sogar tun, wenn sie keinen negativen Test vorweisen. Derzeit werden jede Woche rund 875.000 Tests durchgeführt, bei einer theoretischen Kapazität von rund 1,2 Millionen. Aktuell seien die Labore also stark belastet, und es sei absehbar, dass das System dauerhaft an seine Grenzen stoße, formulierte es ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. „Klar ist auch, wenn wir wochenlang Volllast fahren in dem Bereich, werden wir Material- und Personalprobleme bekommen.“ Deshalb müsse man die Teststrategie entsprechend anpassen.

Für Berlin räumte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci bereits ein, dass die Kapazitäten für Tests auf Covid-19 an Grenzen stoßen. Sie seien durch die massiven Testungen der Reiserückkehrer ausgeschöpft. „Wir sind jetzt bei 93 Prozent“, sagte die SPD-Politikerin im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Außerdem meldeten die Labore, dass Verbrauchsmaterialien knapp seien, was die Testkapazitäten weiter einschränken werde.

Die Beratungen der Gesundheitsminister gehen der geplanten Videokonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag voraus. Beschlüsse werden erst dann erwartet.

Die steigenden Corona-Fallzahlen machen aus Sicht Bayerns ein einheitliches Vorgehen der Länder erforderlich. „Wenn es keinen verbindlichen Rahmen gibt, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir die negative Entwicklung bei Corona nicht mehr verhindern können“, sagte Landeschef Markus Söder in München. Deshalb sei es notwendig, dass sich Bund und Länder am Donnerstag auf einen einheitlichen Rahmen, wenigstens aber gemeinsame Mindeststandards, einigten. Als Beispiele nannte er die Maskenpflicht, die Höhe von Bußgeldern und erlaubte Personenzahlen für private und öffentliche Veranstaltungen.